
Nürnberger Dominaz – Ingolstadts Sieg
Geht man zurück an den 23.03.2025 kommt einem ein bestimmter Augenblick in den Kopf: Vier Minuten und 21 Sekunden waren in der Verlängerung des Viertelfinals Spiel 4 zwischen dem ERC Ingolstadt und den Nürnberg Ice Tigers vergangen, als Jeremy McKenna die Nürnberger Arena zum Tollhaus verwandelte. Es war der letzte Sieg der Ice Tigers über die Schanzer seither. Jeremy McKenna spielt auch nicht mehr in Nürnberg sondern beim Werksclub aus der bayerischen Landeshauptstadt.
Evan Barratt dürfte sich noch sehr gut (oder auch nicht mit Gehirnerschütterung) an dieses Aufeinandertreffen erinnern. Morgan Ellis hatte den US Amerikaner damals so hart mit der Schulter am Kopf tuschiert, dass Barratts Saison als beendet galt. Barratt kam stark zurück, vielleicht sogar stärker. Riley Barber war damals noch nicht dabei und dennoch spielt er genauso zauberhaft wie Nürnbergs Stürmer. Barber und Barratt streiten sich immerhin gerade in der Deutschen Eishockey Liga um die Topscorer Krone.
Beide Teams durchlaufen gerade ein kleines Tief – sowohl der ERC als auch der EHC konnten aus den vergangenen fünf Spielen im Ligabetrieb nur eines für sich entscheiden. Für einen Club endete die Serie heute, das konnte auch ein ,,Nicht-Eishockey-Fan” an den Statistikbögen ablesen.
Glückliche Panther schlagen glücklose Tiger – Nürnberg mit 40 Torschüssen!
Nürnberger Powerhockey
Die Franken starteten furios in die Begegnung bereits in den ersten zwanzig Sekunde gab es Gelegenheiten für drei Treffer – erst scheiterte Cole Maier frei vor Brett Brochu, dann Charlie Gerard aus guter Abschlussposition und zuletzt Sinan Akdag der in Stürmermanier den Puck nicht im Tor unterbringen konnte. Dem ERC wurde gleich in den ersten Augenblicken des Spiels vorgeführt, dass das an diesem Abend kein einfaches Unterfangen werden würde. In der Folge feuerte Owen Headrick den Puck an den Pfosten und von Barratts Schlittschuh sprang der Puck nur knapp am Metall vorbei. Nürnberg wirkte, als hätten sie ein Mission – den Schanzern auch wirklich keine Zeit zum Luft holen zu lassen.
In der Rückwärtsbewegung bekam Cody Haiskanen seine Beine nicht sortiert und fand sich auf dem Eis wieder, über die nun freigewordene Seite kam Ingolstadt angerollt. Austin Keating überspielte den am Boden liegenden Verteidiger der Ice Tigers und zog zum Tor, sein Schuss mittig auf Niklas Treutle wäre eigentlich ein dankbares Geschenk für jeden Torhüter, doch nicht bei diesem Schuss. Mit ein wenig Glück rutschte die Scheibe dann tatsächlich zum 0:1 für die Gäste über die Linie und das mit dem ersten Torschuss.
Auch wenn die Panther nach der Führung ein wenig wacher wirkten als davor, spielte sich der Großteil des Spiels in ihrer Defensivzone ab, Brett Brochu wirkte in diesem ersten Drittel unüberwindbar. Das Schussverhältnis zum Ende des ersten Drittels machte die eindrucksvolle Nürnberger Dominanz deutlich – 16:8.
Verhext
Ingolstadt bettelte förmlich um den Gegentreffer, aber die Ice Tigers wollten, so schien es, ein paar mehr Minuten einem Rückstand hinterher laufen. Die Mannschaft von Mitch O`Keefe brachte wirklich alles zum Tor was nur ging, dennoch wollte die Scheibe nicht im Ingolstädter Gehäuse einschlagen. Ich hätte wirklich gerne von Großchancen des ERC berichtet, doch die konnte ich leider auch nach 30 gespielten Minuten nicht erkennen, beziehungsweise wahrnehmen. Aus 21 Torschüssen zur Hälfte der Partie der Franken waren mindestens sechs bis sieben brandgefährlich und hätten belohnt werden müssen. Die Kaltschnäuzigkeit von vor Weihnachten ließen die Tiger deutlich vermissen in den Neujahrs-Spielen.
Da war sie endlich die Ingolstädter Großchance: Kenny Agostino startete in der Mitte durch und bekam die Scheibe perfekt auf dem Silbertablett serviert. Sein guter Schuss auf die kurze Ecke wurde stark von Niklas Treutle entschärft, der Goalie zog blitzschnell die Schulter nach oben und verhinderte den 0:2 Rückstand entgegen des Spielverlaufs. Und doch kam Ingolstadt zum nächsten Treffer: Die Ice Tigers erwischten eine leicht schläfrige Phase und waren ein Schritt zu spät, als Peter Abandonato im Slot frei zum Schuss kam und die Scheibe flach einschießen konnte.
Auch in 40 Minuten Eishockey schafften es die Ice Tigers nicht den Puck im Tor unterzubringen, es war selbst als neutraler Betrachter zum Haare raufen.
Nein, Doch, Oh!
Torschuss Nummer 26 brachte dann den erlösenden ersten Treffer für die Ice Tigers, wenn auch mit viel Glück: Timo Bakos gewann für die Franken das Anspiel vor dem Ingolstädter Tor, Owen Headrick kam an der blauen Linie in Scheibenbesitz. Ohne zu zögern bugsierte er die Scheibe zum Tor, vor dem Tor fälschte Jake Ustorf den Schuss entscheidend ab, so dass dieser mit einem Sprung auf das Eis über die Schulter von Brett Brochu zum Anschlusstreffer ins Netz purzelte.
Ab diesem Zeitpunkt hieß es Schwimmen lernen mit den Panthern. Die Ice Tigers entwickelten einen sich immer mehr steigenden Druck in der Offensiv-Zone, Ingolstadt spielte die Scheibe nur noch hoch aus dem eigenen Drittel, nach dem Motto: ,,Hoch und weit bringt Sicherheit”. Der Puck lag auf der Linie des Panther Tores, da war doch Ausgleich oder? Nein der ERC schaffte es mit vereinten Kräften diesen längst überfälligen Ausgleich zu verhindern. Egal ob Handschuh, Schläger oder gleich der ganze Körper, bloß nicht das 2:2.
Der ERC Ingolstadt wollte nicht mehr warten und erzielte selbst die Entscheidung: Ingolstadt kam wieder mal aus der eigenen Zone und bugsierte die Scheibe auf Niklas Treutle, von Peter Abandonatos Schlittschuh abgefälscht schlug die Scheibe zum 1:3 ein. Abott Girduckis versenkte die Scheibe wenig später dann zum 4:1 Endstand im leeren Tor.
Fazit: Nürnberg dominierte an diesem Abend mindestens 90% des Spiels und dennoch stehen die Tiger am Ende wieder mit null Punkten da. Schüsse über Schüsse und Chancen über Chancen, aber das Glück kam heute aus Ingolstadt und die Scheibe wollte kein zweites Mal über die Linie rutschen. Ingolstadt fragt sich auf der anderen Seite wahrscheinlich wie sie dieses Spiel siegreich gestalten konnten, aus vier bis maximal fünf gefährlichen Chancen machte man die entscheidenden zwei Treffer. Ingolstadt darf den kleinen Negativlauf also vorübergehend beenden. Nürnberg muss weiter um Platz zehn kämpfen und endlich wieder Punkte einfahren.
Nürnberg Ice Tigers – ERC Ingolstadt 1:4
Tore:
0:1|9.|Austin Keating (Kenny Agostino)
0:2|33.|Peter Abandonato (Sam Ruopp, Leon Hüttl)
1:2|43.|Jake Ustorf (Owen Headrick, Timo Bakos)
1:3|58.|Peter Abandonato (Riley Barber)
1:4|60.|Abott Girduckis
Zuschauer:6628
Bericht von: Luca Schindler | Foto: Birgit Eiblmaier
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