Deutschland unterliegt den Slowaken deutlich und scheidet aus

18.Februar 2026International

Es würde gegen die Stark verbesserten Slowaken ein schweres Unterfangen werden, wenn nicht sogar das schwerste des bisherigen Olympia Turniers für die Deutsche Mannschaft. Nach dem ,,Achtelfinal” Sieg gegen die Franzosen wirkten die Männer in Schwarz Rot Gold befreiter und wollten diese Euphorie auch in das Viertelfinale gegen die favorisierte Slowakei mitnehmen.

Kopf an Kopf

Es war kein Spiel, das sich erst vorsichtig sortieren musste. Vom ersten Bully an verweigerten beide Teams jedes Abtasten, Tempo und Härte lagen in nahezu jedem Zweikampf. Leon Draisaitl bekam das sofort zu spüren, zwei Gegenspieler nahmen ihn konsequent in die Zange. Gleichzeitig musste sich auch Juraj Slafkovský von den Montreal Canadiens im direkten Duell behaupten – und tat das in der Anfangsphase mit bemerkenswerter Präsenz.

Nach knapp sieben Minuten gelang es Deutschland erstmals, sich länger im Angriffsdrittel festzusetzen. Über Moritz Seider kam der erste gefährliche Abschluss auf Samuel Hlavaj, wenig später war Seider in Unterzahl wieder gefragt. Im slowakischen Powerplay blitzte die ganze Offensivqualität auf, doch Philipp Grubauer blieb ruhig und hielt seine Mannschaft mit starken Paraden im Spiel.

Auch Deutschland bekam im Anschluss seine Überzahlchance, und vor allem JJ Peterka war dem Führungstreffer nahe. Zwei Direktschüsse rauschten nur knapp am Ziel vorbei. Mit zunehmender Spielzeit fand jedoch die Slowakei besser in ihren Rhythmus, setzte sich immer wieder im deutschen Drittel fest und zwang Grubauer zu weiteren Aktionen.

Kurz vor der ersten Pause zahlte sich der Druck aus: Erik Černák zog von der blauen Linie ab, Pavol Regenda fälschte den Puck unhaltbar gegen die Laufrichtung des deutschen Keepers ab – 0:1 aus deutscher Sicht. Ein Treffer, der diesem intensiven ersten Abschnitt eine klare, wenn auch knappe Richtung gab.

Patsch – Patsch

Auch im zweiten Drittel blieb das Tempo hoch, selbst wenn die Schussstatistik ein klares Bild zeichnete, erzählte sie nicht die ganze Geschichte. Die Slowakei nahm nahezu jeden möglichen Abschluss, während Deutschland versuchte, sich klare Chancen zu erarbeiten. Doch die pure Quantität machte sich bemerkbar. Milos Kelemen setzte sich im Laufduell gegen Lukas Kälble durch, stand plötzlich frei vor Philipp Grubauer und überwand ihn mit einer kurzen Bewegung auf die Rückhand zum 2:0.

Nur 33 Sekunden später wiederholte sich das Bild: Erneut war ein Slowake alleine auf dem Weg Richtung deutsches Tor. Oliver Okuliar entwischte Jonas Müller und zögerte nicht lange, ehe er mit einem schnellen Handgelenkschuss auf 3:0 erhöhte. Zwei Nadelstiche binnen einer halben Minute – und das Spiel kippte spürbar.

Auch eine deutsche Auszeit brachte nur marginale Stabilität. Selbst in Überzahl wollte trotz bester Möglichkeiten kein erster Treffer gelingen. Und wie so oft im Eishockey gilt: Wer vorne nicht trifft, wird hinten bestraft. Wieder konterte die Slowakei, auf der linken Seite wurde Dalibor Dvorský von den St. Louis Blues perfekt freigespielt und jagte den Puck mit einem präzisen Schuss ins kurze Eck – Jubel in der slowakischen Kurve. Leon Draisaitl gab noch nicht auf und legte perfekt auf für Lukas Reichel: Mit einem wuchtigen Direktschuss schlug die scheibe zum 4:1 im kurzen Eck hinter Samuel Hlavaj ein.

Spätestens mit der zweiten Pause drängte sich ein erstes Fazit auf: Ab dem dritten Gegentreffer spielte Deutschland nicht mehr auf Turnierniveau. Es wirkte, als habe sich die Mannschaft ihrem Schicksal ergeben – und lud die Slowakei zu weiteren Treffern ein. Auch wenn das Tor eine Art Brustlöser war, waren diese sechs Minuten inakzeptabel aus Sicht der Mannschaft von Harold Kreis.

Wenig Hoffnung

Der Schlussabschnitt begann mit einem Wirkungstreffer. Gerade einmal 58 Sekunden waren gespielt, da staubte Pavol Regenda nach einem geblockten Versuch von Tim Stützle den Rebound ab und erhöhte auf 5:1. Es war der Moment, in dem die ohnehin schmale Resthoffnung endgültig zerfiel.

Deutschland zeigte dennoch Moral. Im Powerplay bekam Moritz Seider an der blauen Linie zu viel Raum, behielt die Übersicht und fand am langen Pfosten Freddy Tiffels, der mit einem Direktschuss auf 5:2 verkürzte. Ein kleines Zeichen, dass man sich nicht kampflos ergeben wollte. Doch realistisch betrachtet hätte für ein Comeback zuvor deutlich mehr kommen müssen – gegen diese abgeklärten Slowaken war der Rückstand zu groß, die eigene Fehlerquote zu hoch. Den endgültigen Schlusspunkt setzte Tomáš Tatar mit dem Treffer ins leere Tor zum 6:2.

Damit endet die Reise der deutschen Mannschaft im Viertelfinale gegen die Slowakei. Nach diesem Turnier wird man klar analysieren müssen, woran es gelegen hat: War das Trainerteam um Harold Kreis in entscheidenden Momenten überfordert? Verließ sich die Mannschaft zu sehr auf ihre NHL-Stars? Oder zeigte sich, dass einige DEL-Spieler dem olympischen Niveau (noch) nicht gewachsen waren? Antworten darauf werden entscheidend sein, wenn Deutschland den nächsten Schritt machen will.

Bericht von: Luca Schindler | Foto: Citypress

Eishockey-Online Network

Medidaten | Kontakt | Impressum | copyright 2008-2024 eishockey-online