
Kaltschnäuzige Ice Tigers vermiesen Wolfsburg den Abend
Luke Littler ist zum zweiten Mal in Folge Darts Weltmeister. Im Finale spielte der junge Engländer einen Punkteschnitt von 106.02 über acht Sätze. Nürnberg und Wolfsburg werden so einen Punkteschnitt diese Saison nicht mehr erreichen und wohl auch keine andere Mannschaft der Deutschen Eishockey Liga. Das hat seine Gründe: 1. Darts ist nicht Eishockey 2. Beim Eishockey gibt es nur drei Punkte pro gewonnene Partie in regulärer Spielzeit.
Auch wenn das natürlich nur eine stilistisches Mittel war um in den Spielbericht zu starten – starke Leistung Luke! Aber jetzt zum Eishockey: Nürnberg und Wolfsburg stehen unmittelbar hintereinander in der Tabelle. Beide Teams trennen lediglich zwei Punkte. Für Nürnberg war es die Möglichkeit an Wolfsburg vorbeizuziehen, für Wolfsburg ein kleines Polster zu schaffen.
Nürnberg schlägt Wolfsburg – Ice Tigers mit drei Toren im ersten Abschnitt!
Verlass
,,Nürnberg sollte sich nicht nur auf die Barratt Reihe verlassen” hieß es in den vergangenen Tagen aus Eishockey-Fachkreisen. Aber genau auf diese Reihe ist eben momentan Verlass. Samuel Dove-McFalls zog über die Mitte ins Drittel der Wolfsburg und ließ die Scheibe kurz nach der blauen Linie für Topscorer Evan Barratt liegen. Der US-Amerikaner nahm kurz Maß und wuchtete die Scheibe zum frühen 1:0 (1.) in den Winkel.
Wolfsburg zeigte sich von diesem frühen Rückstand wenig beeindruckt und machte weiter Druck im Nürnberger Drittel. Die Ice Tigers machten es in der Defensive jedoch sehr klug und zwangen die Grizzlys zu Abschlüssen von der blauen Linie und hielten sie so weites gehend weg von gefährlichen Chancen aus dem Slot. Die Franken kamen immer wieder durch Konter und Fehler der Wolfsburger zu ihren Chancen. Nach einem Fauxpas im Wolfsburger Aufbau stand Brett Murray plötzlich alleine vor dem Grizzly Gehäuse, sein Versuch Dustin Strahlmeier zu überwinden endete zum Glück für die Niedersachsen nur am Außenpfosten.
Julius Karrer machte es besser als Murray, zumindest in dieser Situation: Charlie Gerard trug die Scheibe durchs Drittel der Wolfsburger und passte an die blaue Linie zu Julius Karrer. Der junge Verteidiger schloss sofort ab und traf in die lange Ecke an Dustin Strahlmeier vorbei. Tyler Spezia bot dem Publikum kurz darauf ein kleines Kabinettstückchen und marschierte McDavid-Like durch die Hintermannschaft der Grizzlys, ehe er im letzten Moment von Dustin Strahlmeier gestoppt wurde.
Dem Wolfburger Frust folgte ein kleiner Faustkampf von Julian Chrobot, der knüpfte sich Ice Tigers Kapitän Marcus Weber vor. Zumindest in dieser Statistik hatte Wolfsburg punktetechnisch dann die Nase vorn. Der Tor-Regen ging dennoch weiter: Wieder hatte Charlie Gerard die Scheibe auf dem Schläger, diesmal hinter dem Tor. Von dort spielte er das Spielgerät aus kurzer Distanz vor den Kasten, Samuel Dove-McFalls musste dann nur noch einschießen zum 3:0 wenige Sekunden vor der Pausensirene.
Hoffnungsschimmer
Die Gäste mussten irgendwie einen Plan haben um wieder ins Spiel zu finden und der kam prompt: Spencer Machacek brachte den Puck von der blauen Linie in Richtung Tor, nachdem Jacob Hayhurst den Schuss noch entscheidend abfälschen konnte, trudelte der Puck in Richtung Torlinie. Vor allen Nürnberger registrierte Tyler Gaudet am schnellsten die Chance und stocherte die Scheibe zum Anschluss über die Linie (22.).
Das 3:1 sollte jedoch nur ein kurzes Aufatmen darstellen: Evan Barratt behauptete das Spielgerät hinter dem Tor und spielte einen überragenden Pass an den langen Pfosten zu Samuel Dove-McFalls, dann war es nicht mehr die größte Aufgabe für den Deutsch-Kanadier die Scheibe zum 4:1 (25.) im Tor unterzubringen. Die Niedersachsen sahen es umgekehrt jedoch nicht ein die weiße Fahne zu schwenken: Robert Lynch spielte quer auf die linke Seite zu Matt White, der in letzter Instanz den Puck nur ans Lattenkreuz nageln konnte.
Wenn man zur Hälfte des Spiels einen Grund suchen würde für den bereits hohen Rückstand, würde man bei der Statistik der Torschusseffizienz fündig werden. Die Ice Tigers dominierten diese Quote mit 26,67 % während die Gäste gerade einmal knapp an den acht Prozent kratzten. Das sollte jedoch lediglich nur als kleiner Side-Fact zur Veranschaulichung der Nürnberger Kaltschnäuzigkeit in dieser Begegnung gelten.
Die Grizzlys wollten diese Quote ein wenig aufpolieren in eigener Überzahl: Die Scheibe lief gut durch die Reihen der Grizzlys, Robert Lynch und Justin Feser spielten auf der linken Seite dann einen schnellen Doppelpass den Lynch dann mit einem wuchtigen Direktschuss zum erneuten Anschluss zielsicher verwerten konnte (37.).
Kommt noch was?
Owen Headrick schätzte das Plexiglas wohl ein wenig zu hoch ein und bugsierte die Scheibe über das Erlaubte hinaus und saß damit verdientermaßen für zwei Minuten auf der Strafbank. Die Gäste aus Niedersachsen wussten mit dieser frühen Gelegenheit den Anschluss zu erzielen jedoch wenig bis gar nichts anzufangen und rannten gegen ein Nürnberger Bollwerk unzählige Male an.
Auch ohne Evan Barratt, welcher verletzt nach einem unnötig harten Check von Spencer Machacek das Spiel beenden musste, saßen die Franken sicher im Sattel und setzten die Gäste immer wieder durch einen aggressiven und starken Forecheck unter Druck. Wolfsburg versuchte es auf der anderen Seite mit den bewehrten Mitteln und bracht wirklich jede Scheibe zum Tor, denn wie ein bekannter Kanadier mal sagte: ,,You miss 100% of the shots you don´t take” zum Erfolg trug dies dennoch nicht bei.
Wolfsburg versuchte es in den letzten beiden Minuten nochmals mit den letzten Requisiten eine Coaches – Auszeit und Torhüter vom Eis. Die Zeit ging den Autostädtern dann gegen Ende aus, trotz einer Vielzahl an guten Einschussgelegenheiten sollte der Anschluss nicht mehr gelingen.
Eine muntere Eishockey-Partie mit dem besseren Ende für die Gastgeber: Nürnberg zeigte sich vor allem im ersten Abschnitt brutal effizient und stellte damit früh auf Sieg. Den Grizzlys kann man lediglich eben dieses erste Drittel vorwerfen, über die weiteren 40 Minuten zeigte man eine starke Auswärtspartie. Die Franken klettern somit in der Tabelle wieder auf den achten Platz, Wolfsburg muss auf der anderen Seite auf dem neunten verweilen.
Nürnberg Ice Tigers – Grizzlys Wolfsburg 4:2
Nürnberg Ice Tigers – Grizzlys Wolfsburg 4:2
Tore:
1:0|1.|Evan Barratt (Samuel Dove-McFalls, Cody Haiskanen)
2:0|14.|Julius Karrer (Charlie Gerard, Owen Headrick)
3:0|20.|Samuel Dove-McFalls (Charlie Gerard, Greg Meireles)
3:1|22.|Tyler Gaudet (Spencer Mahaceck)
4:1|25.|Samuel Dove-McFalls (Evan Barratt, Brett Murray)
4:2|37.|Robert Lynch (Justin Feser, Matt White)
Zuschauer:6853
Bericht von: Luca Schindler | Foto: Birgit Eiblmaier
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