Eiskalt! Iserlohn lässt Nürnberg abblitzen

25.Februar 2026DEL

Wie riecht es in einer Eishockey-Arena? Nach Friteusenfett, Bratwurst, Bier, Schweiß (ob Angstschweiß dazu zählt, kann man sich dann aussuchen) und natürlich Eishockey. Ob die Mannschaften der Nürnberg Ice Tigers und der Iserlohn Roosters diesen Geruch während der vierwöchigen Olympia-Pause vergessen hatten, ist nicht anzunehmen. Immerhin hatten beide Teams einen vollen Kader, um nach einem kurzen Aufenthalt in der Sonne (oder im Kuhstall ~ Josef Eham) wieder in den intensiven Trainingsbetrieb einzusteigen.

Im hauseigenen Podcast der Franken blickte Sportdirektor Stefan Ustorf zurück auf die vergangenen Einheiten der Tiger und meinte, dass man vor allem an den Special Teams gearbeitet habe – im Fünf-gegen-Fünf sei er sehr zufrieden gewesen mit dem Auftreten seiner Schützlinge. Bei den Roosters wird man wohl aber sicher an allem gearbeitet haben. Mit elf Punkten Rückstand auf einen Pre-Playoff-Platz haben die Sauerländer nur noch Außenseiterchancen, um in die Meisterschaftsrunde der DEL einzuziehen.

Die Ice Tigers haben fest Platz sieben und acht im Blick, um sich das Heimrecht in der ersten Playoff-Runde zu sichern. Aber auch nach unten muss man aufpassen, Augsburg klopft nämlich von unten an Platz 10 an.

Iserlohn holt drei Punkte in Nürnberg – drei Roosters Tore im 2. Drittel!

The Break is over

Man merkte zu Beginn, dass beide Mannschaften ausreichend Pause hatten und die Beine nicht so schwer waren wie vor der Olympia-Pause. Mit viel Geschwindigkeit versuchten beide Teams zu agieren und sich so die ersten guten Gelegenheiten herauszuarbeiten. Die Ice Tigers wussten zuerst gefährlich zu werden: Ein Schuss von Sinan Akdag rutschte Hendrik Hane durch die Arme und trudelte langsam in Richtung Torlinie. Wenige Zentimeter vor der Linie entschärfte der Roosters Goalie in aller höchster Not mit der Kelle. Aber auch die Iserlohner wussten zu überzeugen – nach einem geblockten Schuss wurde Tyler Boland auf die Reise geschickt und scheiterte nur in letzter Instanz alleine vor dem Tor am wachen Niklas Treutle.

Wenig später nutzte Iserlohn ihre zweite ,,gute Gelegenheit”: Von der blauen Linie zog Lua Niehus auf und versenkte die Scheibe zum 0:1 im Nürnberger Gehäuse. Wenn auch mit ein wenig Glück – Niklas Treutle wurde vom eigenen Mitspieler die Sicht versperrt und konnte so nicht mehr eingreifen. Die Mannschaft von Stefan Nyman wirkte in der Folge aktiver und erkämpfte sich mehr und mehr die Oberhand in der Begegnung. Auch wenn das erste Powerplay der Roosters ungenutzt blieb, hatte man bis zur ersten Pausensirene so gut wie Alles im Griff.

Auszeit? Zahlt sich aus!

Sehr untypisch begann das Mitteldrittel – Iserlohns Trainer Stefan Nyman nahm nach 300 Sekunden eine Auszeit. Wieso wusste in der Arena nur er selbst, die Ice Tigers drückten zwar aufs Tempo aber lange nicht so, dass ein Timeout von Nöten gewesen wäre. Wie dem auch sei: Nürnberg zeigte kurzzeitig ein verändertes Bild in den zweiten zwanzig Minuten und drückte auch nach der Auszeit weiter auf den Ausgleich. Vor allem die Parade-Reihe um Top-Star Evan Barratt hatte die ein oder andere gute Angriffs-Sequenz, der Puck wollte dennoch nicht im Netz hinter Hendrik Hane landen.

Und wie es im Eishockey laufen kann, zeigten die Iserlohner: Nach unzähligen Anläufen der Franken kamen auch die Hähne wieder ins Rollen und nutzten das prompt aus. Ex-Ice Tiger Daniel Fischbuch kam mit seinem brandgefährlichen Schuss an die Scheibe und feuerte ohne zu zögern auf Niklas Treutle. Bevor der Goalie der Gastgeber zupacken konnte brachte Robin Norell seine Kelle entscheidend in den Schuss und fälschte ab zum 0:2. Wer dachte – das wars jetzt – sah sich getäuscht. Gleich im nächsten Wechsel erhöhten die Gäste auf 0:3. Und es sah so einfach aus: Macoy Erkamps zog von der blauen Linie aus dem Handgelenk ab und netzte ein zum nächsten Iserlohner Treffer.

Es sah nicht wirklich wie ein 3:0 aus, eher wie ein Spiel auf Augenhöhe, nur mit dem minimalen Unterschied, dass Iserlohn eiskalt Chancen ausnutzte. Wie auch in der 34. Minute: Wieder kamen die Roosters von der blauen Linie zum Abschluss und wieder rutschte die Scheibe durch die Schon von Niklas Treutle über die Linie. Es war so einfach – zu einfach – was die Gäste aufs Eis ,,zauberten”. Naja von ,,zaubern” konnte auch nicht Rede sein, wenn man auf die Olympischen Spiele zurückblickt, war das schon ein eher zerfahrenes Aufeinandertreffen.

Nürnberg kam nochmal kurz vor der Pausensirene, endlich hätte man sagen können. Owen Headrick nahm von der blauen Linie einen eher verzweifelten Schuss und fand perfekt vor dem Tor Cole Maier, der die Scheibe zum 1:4 Anschlusstreffer durch die Schoner von Hendrik Hane abfälschen konnte. Knotenlöser oder eher Ergebniskosmetik?

Muss das?

Am Rezept welches Iserlohn kochte, versuchten sich nun auch die Lebkuchenstädter. Nahezu jeder Puck der in einer auch nur minimalen Schussbahn lag wurde zum Tor gebracht. Hendrik Hane zeigte sich nur wenig beeindruckt und parierte immer wieder die verzweifelten Abschlüsse der Tiger. Je mehr die Uhr tickte wurde die Chance auf eine Aufholjagd der Gastgeber kleiner. Iserlohn spielte klug und einfach, die neutrale Zone machten die Roosters zu ihrer eigenen und ließen die Ice Tigers nur in kurzen Momenten in die eigene Zone.

Daniel Fischbuch ließ sich trotz der deutlichen Führung zu einer unschönen Aktion hinreißen – mit einem wuchtigen Hieb versetzte der Ex-Nürnberger seinem ehemaligen Teamkollegen Marcus Weber einen fiesen Stockschlag auf die Finger, weshalb die Schiedsrichter ihn auch folgerichtig mit einer fünf plus Spieldauerstrafe vorzeitig zum Duschen schickten. Die fünf Minuten Überzahl erledigten sich jedoch schnell aus Sicht der Franken, nachdem Cole Maier seinen Gegenspieler unabsichtlich mit einem hohen Stock im Gesicht erwischte und tatsächlich auch noch ein Zahn des Iserlohners auf dem Eis lag (2+2 Strafminuten).

Fazit: Mit unschönen Szenen ging dieses Restart-Partie also zu Ende. Die Roosters sichern sich beim Gastspiel in Nürnberg wichtige Punkte im Kampf um die Pre-Playoffs. Das kaltschnäuzig gespielte zweite Drittel der Sauerländer war sicherlich der entscheidende Punkt in diesem Aufeinandertreffen. Die Ice Tigers hingegen fanden erst im Schlussabschnitt zu ihrem Spiel und konnten Iserlohn erst spät wirklich in Verlegenheit bringen. Für die Ice Tigers geht es kommenden Freitag zum Gastspiel nach Dresden. Iserlohn darf bei den Eisbären Berlin ran.

Nürnberg Ice Tigers – Iserlohn Roosters 1:4

Tore:
0:1|10.|Lua Niehus (Daniel Geiger, Robin Norell)
0:2|28.|Robin Norell (Daniel Fischbuch, Colin Ugbekile)
0:3|30.|Macoy Erkamps (Anthony Camara)
0:4|34.|Lassen (Julian Napravnik , Erik Salsten)
1:4|40.|Cole Maier (Owen Headrick, Marcus Weber)

Zuschauer:5800

Bericht von: Luca Schindler | Foto: Birgit Eiblmaier

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