Wild Wings kommen zu spät – die Lage in Schwenningen wird ungemütlich

4.Oktober 2026DEL

Die Schwenninger Wild Wings zeigen beim 2:4 gegen die Straubing Tigers zwar eine Reaktion auf den schwachen Auftritt in Nürnberg, laufen der Musik aber erneut lange hinterher. Nach einem völlig missglückten ersten Drittel steigert sich das Team vom Neckar deutlich und macht die Partie im Schlussabschnitt noch einmal spannend. Punkte bringt das jedoch nicht – und nach sechs Spieltagen wird die Situation in Schwenningen zunehmend brenzlig.

Fehlstart bringt Schwenningen früh unter Druck

Eigentlich wollten die Wild Wings nach dem ernüchternden 0:5 in Nürnberg ein anderes Gesicht zeigen. Ansätze davon waren vorhanden, doch gerade zu Beginn wirkte die Mannschaft weiterhin gehemmt und verunsichert. Straubing trat dagegen abgeklärt auf und nutzte die Schwenninger Fehler konsequent.

Bereits in der siebten Minute gingen die Tigers durch Nick Halloran im Powerplay in Führung. Nur wenig später legte Tyler Madden nach. Schwenningen hatte zu diesem Zeitpunkt große Schwierigkeiten, Struktur in das eigene Spiel zu bekommen und sich nachhaltig in der offensiven Zone festzusetzen.

Als Jamie Rees in der 17. Minute einen Abpraller zum 0:3 verwertete, drohte der Nachmittag früh in die gleiche Richtung zu laufen wie viele Auftritte zuvor. Straubing musste dafür kein Offensivfeuerwerk abbrennen. Die Gäste wirkten schlicht klarer, entschlossener und in den entscheidenden Situationen einen Schritt weiter.

Mehr Stabilität – aber weiter ohne Durchschlagskraft

Im zweiten Drittel fanden die Wild Wings besser in die Partie. Die Abstände stimmten zunehmend, Schwenningen konnte sich häufiger in der Straubinger Zone festsetzen und ließ gleichzeitig weniger zu.

Was weiterhin fehlte, war die nötige Konsequenz vor dem gegnerischen Tor. Reed Lebster hatte eine der besseren Möglichkeiten, scheiterte jedoch an Tigers-Schlussmann Jakub Skarek. Auch weitere Abschlüsse sorgten nicht für den dringend benötigten Anschlusstreffer.

Dabei war durchaus zu erkennen, dass die Wild Wings einen Schritt nach vorne machten. Das Team arbeitete sich in die Partie hinein und zeigte mehr Präsenz. Gleichzeitig blieb aber das Gefühl, dass vieles noch schwerfällig wirkt. Aktionen wurden nicht mit der Selbstverständlichkeit gespielt, die eine Mannschaft entwickelt, wenn die Ergebnisse stimmen.

Gerade in dieser Phase wurde sichtbar, wie sehr der misslungene Saisonstart inzwischen in den Köpfen zu stecken scheint.

Feist und Lebster wecken die Arena

Mit Beginn des Schlussdrittels zeigte Schwenningen schließlich das Gesicht, das man sich von Beginn an gewünscht hätte. Die Wild Wings spielten zielstrebiger, brachten mehr Scheiben zum Tor und erhöhten den Druck auf Straubing.

In der 43. Minute wurde der Aufwand belohnt. Philip Feist erzielte das 1:3 und damit gleichzeitig den ersten Schwenninger Heimtreffer der noch jungen DEL-Saison. Plötzlich war auch die Helios Arena wieder voll da und die Partie bekam eine andere Dynamik.

Schwenningen drängte weiter, musste jedoch genau in diese gute Phase hinein den nächsten Rückschlag hinnehmen. Linus Brandl stellte in der 49. Minute auf 1:4 und nahm der aufkommenden Euphorie zunächst wieder den Wind aus den Segeln.

Diesmal brachen die Wild Wings allerdings nicht auseinander. Nur wenig später nutzte Reed Lebster ein Powerplay zum 2:4. Es war nicht nur der erneute Anschluss, sondern zugleich das erste Schwenninger Überzahltor der Saison.

In den letzten Minuten war der Wille deutlich zu erkennen. Schwenningen versuchte noch einmal alles, kam aber nicht mehr entscheidend heran. Straubing brachte den Vorsprung über die Zeit und nahm drei Punkte mit nach Niederbayern.

Verbesserung allein reicht nicht mehr

Die Wild Wings können aus dieser Partie durchaus Positives mitnehmen. Nach dem frühen 0:3 zeigte die Mannschaft Charakter, arbeitete sich zurück in das Spiel und war im Schlussdrittel über weite Strecken die aktivere Mannschaft. Gerade im Vergleich zum Auftritt in Nürnberg war eine Reaktion zu erkennen.

Doch nach sechs Spieltagen geht es längst nicht mehr nur darum, Fortschritte zu erkennen.

Schwenningen wartet weiter auf den ersten regulären Saisonsieg und steht mit lediglich zwei Punkten am Tabellenende. Besonders problematisch ist dabei, dass die Mannschaft aktuell immer wieder lange braucht, um wirklich in einer Partie anzukommen. Erst reagieren zu müssen, wenn der Rückstand bereits groß ist, kann auf Dauer kein Erfolgsrezept sein.

Auch die Körpersprache und einige Aktionen lassen erkennen, dass der Saisonstart Spuren hinterlassen hat. Wo eigentlich Selbstverständlichkeit gefragt wäre, wirkt vieles verkrampft. Wo schnelle Entscheidungen nötig wären, fehlt mitunter die letzte Überzeugung. Das Schlussdrittel gegen Straubing hat gezeigt, dass diese Mannschaft deutlich mehr kann als in vielen Phasen der vergangenen Spiele zu sehen war. Genau das muss sie nun aber über 60 Minuten auf das Eis bringen.

Denn auch wenn die Saison noch jung ist: Mit zwei Punkten nach sechs Spielen, dem letzten Tabellenplatz und bereits beträchtlichem Abstand zu großen Teilen der Konkurrenz ist die Lage am Neckar früher als erwartet ernst geworden.

Bericht von: BM | Foto: citypress

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