11 Tore im Alpenduell zwischen Österreich und Schweiz bei der Eishockey WM 2024

12.Mai 2024International

Auch wenn es sehr lange nicht danach aussah. Der Favorit Schweiz setzte sich letztlich doch durch. Dank einer Leistungssteigerung, eines Last-Minute Tores und wiederum dank den NHL-Stars.  

Zur Beschreibung des ersten Drittels in dieser Partie lässt sich aus Schweizer Sicht nicht viel Positives sagen. Es war einfach schlecht. Auch der Captain Roman Josi bestätigte im Pauseninterview, man sei schlecht ins Spiel gestartet und habe zum Glück noch das Anschlusstor zum 2:1 erzielen können. Tor, das der Captain höchstselbst erzielt hatte. Hischier gewinnt in doppelter Überzahl das Bully, Loeffel legt auf Josi und dieser hämmert die Scheibe in die weitere hohe Ecke. Bisher war dieser Bericht aus Schweizer Sicht geschrieben. Ich wechsle nun in die Österreichische Sicht. Die Österreicher spielten genau das, was ihnen ihr Schweizer Coach Roger Bader mitgegeben hatte. Voller Einsatz und jede Chance nutzen. Das erste Tor resultierte aus einem wuchtigen Schuss von der blauen Linie, das zweite fiel nach einen aus österreichischer Sicht engagiert geführten Gewusel vor dem Tor. Zusammengefasst: 2:1 Österreich nach 20 Minuten. Verdient. Pause.

Das zweite Drittel startete furios. Österreich war in Überzahl und Zwerger, er ist in der Schweiz bei Ambri Piotta unter Vertrag, spielte einen magistralen Pass quer durch die Schweizer Box. Lukas Haudum konnte diesen Pass mit einem one timer verwerten und auf 3:1 stellen. Die Schweiz ihrerseits konnte schnell reagieren. Die beiden NHL Stars Josi und Hischier stellten den Anschluss wieder her. Josi spielte einen Millimeter-genauen Pass auf Hischier. 3:2, nur noch. Die Schweiz – so schien es – war langsam erwacht und versuchte, ihrer Favoritenrolle gerecht zu werden.

Der verhängnisvolle Doppelausschluss

Kurz vor Spielmitte kam es erneut (wie schon im ersten Drittel) zu einem Doppelausschluss gegen Österreich. Verhängnisvoll war diese Strafe deswegen, weil die Schweiz unter Führung ihrer NHL Stars die Partie innerhalb weniger Sekunden drehen konnten. Zuerst war es Roman Josi, der eine herrenlose Scheibe vor dem Tor in den Netzhimmel beförderte. Nur 13 Sekunden später bediente Sven Andrighetto mit einem Millimeterpass Ken Jäger, der das 3:4 für die Schweiz erzielen konnte. Die Schweizer hatten die Partie dank einer wesentlich engagierteren Spielweise gedreht. Das Drittel war allerdings noch lange nicht fertig. Österreich kam abermals zu einem Überzahlspiel und nutzte dieses einmal mehr aus. Lukas Haudum stellte mit seinem zweiten Tor an diesem Abend das ausgeglichene Resultat wieder her. 4:4. Pause. Das Resultat geht immer noch in Ordnung.

Wie wichtig die NHL-Stars für die Schweizer Nationalmannschaft sind, zeigt sich immer dann, wenn man in Überzahl spielen kann. Die eine Powerplay Linie bestand aus den vier NHL-Spielern Josi, Niederreiter, Kurashev und Hischier. Sie wurden ergänzt durch unfassbare Erfahrung. Und da kommt bekanntlich nur einer in Frage: Andres Ambühl, der 40-Jährige, der schon vor 20 Jahren, im Jahr 2004, ein erstes Mal in der O2 Arena in Prag an einer WM gespielt hatte. Zu Beginn des dritten Drittels kam dann ein weiterer Spieler aus der NHL zum Einsatz. Akira Schmid, der Torhüter der New Jersey Devils hatte Reto Berra ersetzt. Es war zunächst nicht klar, weshalb Berra ausgewechselt worden ist. Möglich, dass gesundheitliche Einschränkung zu diesem Wechsel geführt haben. Und zu Beginn eben dieses dritten Drittels war die Schweiz immer noch in Überzahl. Eine Überzahl, die Nico Hischier mit seinem zweiten Tor am heutigen Abend zu nutzen wusste und damit die Schweiz wieder in Führung brachte. Auch dieses Tor eine ausschliessliche NHL-Produktion. Hischier der Torschütze, Niederreiter und Kurashev die Passgeber.

Das Spiel war aber noch nicht fertig. Österreich spielte nach wie vor mit viel Engagement und im Bestreben, aus jeder möglichen Position eine Chance zu kreieren. Eine solche schon fast “unmögliche” Position brachte den neuerlichen Ausgleich. Benjamin Baumgartner schoss von der blauen Linie an Freund und Gegner vorbei und plötzlich war die Scheibe im Tor. Ob gewollt oder nicht, ist egal, es war ein Kunstschuss. Die Schweiz war nun gefordert, ihrer Favoritenrolle gerecht zu werden. Etwas glücklich kamen die Eidgenossen 90 Sekunden vor Schluss zu einer Überzahl. Andres Ambühl war Richtung Tor gelaufen und kam daselbst zu Fall. Die Schiedsrichter pfiffen eine Zweiminutenstrafe, eine Strafe, die man jetzt nicht zwingend geben musste. Der Schweizer Coach schickte wieder seine NHL-Stars aufs Eis und einer von ihnen, Nico Hischier mit seinem dritten Tor des Abends, erzielte mit einem “Buebetrickli” den Siegtreffer. 5:6 Schweiz, fertig. Schliesslich etwas glücklich für die Schweiz, denn die Österreicher hätten einen Punkt verdient.

Unsere lieben Leserinnen und Leser aus Deutschland und Österreich fragen sich nun vielleicht, was denn ein “Buebetrickli” ist. Hier die Erklärung: Bueb ist der Schweizer Dialektausdruck für einen Jungen, Trickli für einen kleinen Trick. Und der kleine Trick des Jungen geht so: man schnappt sich die Scheibe auf der einen Seite des Tores, fährt hinter dem Tor durch und legt die Scheibe am dortigen kurzen Pfosten ins Tor. So wie der “Bueb” Nico Hischier eben.

“Im erste Drittel heind alli nid so güet gspilt. Aber wir hei di dri Pinkt gholt,” so die Zusammenfassung des Walliser NHL Stars Nico Hischier in seiner Muttersprache, dem Walliser Dialekt, der noch schwerer zu verstehen ist, als andere Schweizer Dialekte. Nach der Erklärung des Buebetrickli hier also noch die Übersetzung von Hischiers Aussage: “Im ersten Drittel haben wir alle nicht so gut gespielt. Aber wir haben die drei Punkte geholt.” Schriftlich gar nicht so schwer, der Walliser Dialekt, oder?

Sollten die Schweizer an dieser WM weit kommen, wird das zunächst an den NHL-Stars und dann vielleicht auch ein wenig an Fialas Frau Jessica gelegen haben. Denn Kevin Fiala, der bei den Los Angeles Kings spielt, wird auf der NHL Page folgendermassen zitiert: “An dieser Stelle ein großes Dankeschön an meine Frau Jessica, die mich bei diesem Vorhaben zu jeder Zeit supportet hat. Das schätze ich sehr. Ich freue mich extrem auf das Team und das Turnier in Tschechien“. Man darf gespannt sein, wie weit die Reise geht.

Quelle für Zitate: SRF 2

Österreich – Schweiz 5:6 (2:1|2:3|1:2)

Tore:
1:0 |5.|Clemens Unterweger (Rossi)
2:0 |15.|Paul Huber  (Rohrer)
2:1 |16.|Roman Josi   (Loeffel, Hischier)
3:1 |22.|Lukas Haudum (Zwerger, Unterweger)
3:2 |23.|Nico Hischier (Josi)
3:3 |30.|Roman Josi (Ambühl, Hischier)
3:4 |30.|Ken Jäger (Andrighetto, Kukan)
4:4 |35.|Lukas Haudum (Unterweger, Huber)
4:5 |41.|Nico Hischier (Kurashev, Niederreiter)
5:5 |53.|Benjamin Baumgartner (Maier, Strong)
5:6 |60.|Nico Hischier (Josi, Ambühl)

Zuschauer:
13’512 Zuschauer
O2 Arena

 

Bericht von: Valentin Lagger| Foto: imago

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