Erschreckend Schwach: Ice Tigers verlieren auch gegen Wild Wings

4.März 2026DEL

Sich tausendmal an- und auszuziehen – und das mindestens zweimal am Tag: Viel verändert das im Alltag nicht. So ähnlich dürfte es auch für Sinan Akdag sein. Hose schnüren, Schienbeinschoner mit Klettverschlüssen befestigen, Brust- und Schulterpanzer anlegen, Ellbogenschoner richten, Helm fixieren, Schlittschuhe binden, Handschuhe an, Schläger greifen – ab aufs Eis. Routine.

1000 Spiele hat der gebürtige Rosenheimer inzwischen in der höchsten deutschen Spielklasse, der DEL, absolviert. Dass ihm dieser Meilenstein wichtig ist, betonte er mehrfach: Ja. Akdag hat hart gearbeitet und steht nun bei seiner vierten DEL-Station. Mit seinem aktuellen Klub, den Nürnberg Ice Tigers, will er die Saison in den Playoffs verlängern.

Doch nach der Olympiapause holte die Franken nur drei Punkte; sechs mögliche Zähler gegen Ingolstadt und Iserlohn blieben liegen. Punkte, die den Vorsprung auf Rang elf hätten verdoppeln können. Am Mittwochabend ging es in Nürnberg erneut um viel – „symbolisch um sechs Punkte“, auch wenn es natürlich nur drei zu vergeben gibt. Die Schwenninger Wild Wings kamen besser aus der Pause und sicherten sich sechs von neun Punkten. Beide Teams brauchen Siege, um im Rennen zu bleiben – und weiterhin alles in der eigenen Hand zu haben.

Nürnberg auch gegen Wild Wings zu harmlos – vier Tore im zweiten Drittel!

Alle noch wach?

Die Zuschauer mussten lange auf einen ersten gefährlichen Angriff warten, bis nach einem Fehlpass in der eigenen Zone Tim Gettinger auf einmal alleine vor Niklas Treutle stand. Noch konnte der Nürnberger Schlussmann zweimal glänzend parieren. In doppelter Unterzahl war aber auch er machtlos: Nach einer guten Parade mit dem Schon bugsierte wieder Tim Gettinger die Scheibe in Richtung Tor und hatte Glück das der Schlittschuh von Samuel Dove-McFalls den Puck letztendlich über die Linie drückte (5.).

Die Ice Tigers taten sich sichtlich schwer gegen eine kompakte Hintermannschaft der Wild Wings – bis zum ersten Powerbreak brachten die Franken keine Abschluss auf das Tor von Joacim Erikson. Nach der ,,Trinkpause” zeigten sich die Tiger verbessert und hatten zunehmend Spielanteile in der offensiven Zone. Auch die Franken durften dann in doppelter Überzahl ran. Trotz zweier Powerplays blieb den Nürnbergern ein erster Treffer dennoch verwehrt. Ohne weiteren Treffer ging es somit in die erste Drittelpause.

Nürnberg: Das Kind das auch mitspielen will

Nürnberg war bemüht irgendwie in den Spielfluss zu kommen – ein Tor würde dabei unterstützen. Nach dem drei Schwenninger den Puck nicht geklärt bekamen, spielte Eugen Alanov einen sensationellen Pass auf Kapitän Marcus Weber, der die Scheibe wuchtig ins kurze Eck zum Ausgleich jagte (24.). Schwenningen antwortete wenig später in Überzahl (25): Nach starker Vorarbeit von Jordan Szwarz verwertete Alexander Karachun sehenswert mit der Rückhand an Niklas Treutle vorbei zur nächsten Führung für die Jungs vom Neckar.

Schwenningen drückte kurze Zeit später, wieder in Überzahl, auf den dritten Treffer. Hätte Alexander Karachun seine Beine sortiert bekommen und die Scheibe nicht selbst wieder von der Linie geklärt, wäre das 1:3 auch gefallen. Diesmal hatte der Eishockey Gott einen Tiger auf der Brust. Hakon Hänelt enteilte wenig später der ganzen Hintermannschaft der Ice Tigers und ließ Niklas Treutle mit einem starken Rückhandabschluss keine Chance und erzielte diesmal aber wirklich das 3:1 für die Gäste.

Die Mannschaft von Mitch O´Keefe zeichnete üblich Wille, Kampfgeist und Tempo aus – all diese Punkte ließen die Franken auch in dieser Partie sehnlichst vermissen. Und bezeichnend für diese Leistung war der nächste Gegentreffer: Schwenningen machte die Kleinigkeit, die den Ice Tigers fehlte. Schüsse auf das gegnerische Tor zu bugsieren. Von der blauen Linie wird das Spielgerät auf das Nürnberger Gehäuse geworfen, vor dem Tor fälschte Phil Hungerecker unhaltbar ab und bejubelte das 1:4 für seine Schwenninger.

Dieser Weg

Die Ice Tigers ackerten nochmal im letzten Drittel, rannte an und versagte wie so oft zuletzt an sich selbst. Fehlpässe, verlorene Zweikämpfe, wenig bis keine Schüsse auch wenn die Chancen da sind. All das waren Steine die sich die Nürnberger auch in diesem Spiel selbst in den Weg legten. Auch die besten Chancen wurden konsequent vergeben, es schien so als wolle man erst gar nicht näher kommen.

Das Spiel bekam noch einen Treffer: Tyler Spezia wurde von Evan Barratt stark in Szene gesetzt und überwand Erikson zum 2:4 Anschlusstreffer (55). Aber nach einer weiteren Strafe gegen die Ice Tigers kurz vor Schluss war klar – hier geht es nicht mehr um Punkte. Der Treffer ins verwaiste Tor der Ice Tigers machte das Debakel perfekt.

Fazit: Die Form Ice Tigers kann man gerade schwer einordnen beziehungsweise erst gar nicht erklären. Was man aber deutlich einordnen kann: Die Ice Tigers sind nicht in Playoff-Form, wenn auch die nächsten Spiele so katastrophal verlaufen, kann man sich die Playoffs abschminken. Schwenningen hingegen zeigte eine solide Vorstellung in der Fremde, mit den Toren zum richtigen Zeitpunkt setzt man sich nun weiter von den Franken ab. Für die Gastgeber geht es am Freitag zuhause gegen den Deutschen Meister aus Berlin weiter, während die Wild Wings weiter in den Süden zu den Straubing Tigers fahren.

Nürnberg Ice Tigers – Schwenninger Wild Wings 2:5

Tore:
0:1|5.|Tim Gettinger (Tyson Spink)
1:1|24.|Marcus Weber (Eugen Alanov, Roman Kechter)
1:2|25.|Alexander Karachun (Jordan Szwarz)
1:3|30.|Hakon Hänelt (Danny O´Regan)
1:4|38.|Phil Hungerecker (Ben Marshall)
2:4|50.|Tyler Spezia (Evan Barratt, Will Graber)
2:5|60.|Kyle Platzer (empty net)

Zuschauer:5380

 

Bericht von: Luca Schindler | Foto: Birgit Eiblmaier

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