CHL: Herzschlagfinale zwischen Frölunda HC und Lulea HF – Frölunda holt sich zum fünften Mal den Cup

3.März 2026International

Der viermalige Champion und Seriensieger Frölunda HC empfing im heimischen Scandinavium von Göteborg zum Finale des europäischen Wettbewerbs den schwedischen Kontrahenten Lulea HF.

Frölunda HC zielte auf seinen nächsten Erfolg um die europäische Eishockeykrone, obwohl man zuletzt in der Liga schwächelte und vier der vergangenen fünf Partien verlor. Nach 2016/17 sowie 2019/20 sollte die Trophäe erneut beim Seriensieger verbleiben. Als fünffacher schwedischer Meister wollte man ein weiteres Kapitel in der Eishockeygeschichte schreiben. Frölunda Göteborg kegelte den einzigen verbliebenen deutschen Vertreter, den ERC Ingolstadt aus dem Viertelfinale in zwei knappen Begegnungen.

Lulea HF erwies sich als erstmaliger Sieger der Champions Hockey League, als der Wettbewerb sein Debut im Jahre 2014/15 feierte, und dabei den heutigen Gegner Frölunda schlug. Lulea HF wollte an seine letzten beiden Erfolge gegen Frölunda im Januar dieses Jahres nahtlos anknüpfen. Sechs der vergangenen zehn Partien hatte Lulea ohnehin für sich entschieden, was dem schwedischen Herausforderer viel Selbstbewusstsein verlieh.

Höchstes europäisches Hockey Niveau

Es war angerichtet für ein Top Match dieser beiden skandinavischen Top Teams, die sich mit hohem Speed und perfekter läuferischer Expertise duellieren würden. Wer wurde der Nachfolger von ZSC Lions Zürich? Das letzte Finale bestritt Frölunda 2019 gegen den EHC Red Bull München. Top Scorer bei Frölunda war ihr Capitano und Leader Max Friberg und bei Lulea verbuchte Mathias Brome die meisten Scorerpunkte. Es ging in diesem Endspiel auch noch um die heißbegehrte Torjägerkrone.

Vom Polarkreis, wo Lulea lokalisiert ist, reisten auch zahlreiche Gästefans an. Die Hymne der Champions Hockey League wurde von der Violinistin Lara Pouget präsentiert. Den Ceremonial Puck Drop vollzog die Legende Henrik Lundqvist, eine besondere Wertschätzung. Headcoach auf Seiten von Lulea HF war interessanterweise ein gewisser Thomas Berglund, der in der nächsten Saison den Trainerjob bei den Kölner Haien übernimmt.

Die Stimmung war prächtig und man durfte gespannt sein, ob es in diesem rein schwedischen Finale viele Tore zu bewundern gäbe von den beiden Defensivspezialisten. Lulea versteckte sich nicht und setzte erste Akzente, auch wenn Frölunda in der heimischen Arena optisch überlegen wirkte. Die Partie wurde schnell und passsicher geführt.  Beide Teams agierten mit ähnlichen Spielsystemen. Die Arbeit zurück nach hinten vollzogen die Finalisten bemerkenswert. Die beste Chance vergab Verteidiger Isac Heens kurz vor Drittelende.

Shorthander durch Frölunda

Die schwedische Nachwuchsarbeit verdient bekanntlich höchste europäische Anerkennung. Als Prämie bekommt der neue Champion 100.000 Euro, in der kompletten CHL-Saison konnte der monetäre Anreiz bei ca. 250.000 Euro liegen, wobei jedoch nicht alle Kosten und Ausgaben der Organisation annähernd gedeckt werden konnten. In der Torschussstatistik lag Frölunda nach Drittel eins klar mit acht zu drei Abschlüssen vorne auf dem Weg zum fünften Titel (?). Das war die zentrale Frage, denn auch Lulea strebte nach seinem zweiten Erfolg auf europäischer Ebene und hielt bislang gut entgegen im ausverkauften Scandinavium.

Beide Teams ließen in den Playoffs nie mehr als zwei Gegentore zu, was für ein schier unüberwindbares Abwehrbollwerk sprach. Erste Ausrufezeichen im Mittelabschnitt setzte Frölunda, doch Lulea erspielte sich dann die beste Chance durch Anton Levtchi, der am Pfosten scheiterte. Lulea witterte nun Morgenluft und verzeichnete den nächsten Abschluss. ‚Defense first‘ lautete bei beiden Mannschaften das Credo. Es musste noch mehr Traffic im Slot kreiert werden.

Die erste Strafe ging gegen das Heimteam erst zur Hälfte der Spielzeit: das Penalty Killing bei Frölunda lag bei stolzen 88% und dann bebte die Halle, denn Nicklas Lasu markierte den Shorthander in der 32. Spielminute. Der Torschütze sorgte bereits beim CHL-Finale 2016/17 gegen Sparta Prag für das Goal-winning-goal. War dies ein gutes Omen? Lulea stemmte sich beharrlich dagegen und verbuchte selbst erneut Möglichkeiten.

Frölunda unbeeindruckt, holt Führung zurück, Last Minute Ausgleich

Rasanter Start durch Frölunda im letzten Drittel, doch unmittelbar danach markierte Lulea in Person von Eetu Koivistoinen in der 42. Spielminute den Ausgleich durch den Tip-In seines Schlägers. Dies gab der Partie noch mehr Schwung und Offensivpower. Frölunda bleib am Drücker und wollte schnell die Führung zurückholen: Powerplay für die Hausherren, die mit 23% eine top Quote vorwiesen, während Lulea mit knapp 90% ein sehenswertes Penalty Killing bisher zeigte. Geduldig erspielte sich Frölunda durch Jacob Peterson in der 48. Spielminute den zweiten Treffer des Abends mit einem Mann mehr auf dem Eis.

Was hatte Lulea um Headcoach Thomas Berglund noch im Köcher? Es blieben noch gut zehn Minuten auf der Uhr. Lulea verpasste gleich zwei Mal den Ausgleich und musste nun mehr Risiko gehen. Musste es eine Einzelaktion bringen? Frölunda fokussierte sich auf ein 1-2-2 Forchecking. Ein weiteres Powerplay für Lulea sorgte nochmals für Gänsehautstimmung und Dramatik: Keeper Tobias Normann hielt weiter souverän. Lulea ging All-in und zog den Goalie zugunsten eines sechsten Feldspielers. Man kam jedoch kaum in die ersehnte Formation und die Uhr lief herunter zugunsten des Rekordsiegers.

Kaum zu glauben, denn 15 Sekunden vor der Schlusssirene schaffte Lulea in Person von Otto Leskinen, dem bisher kein Tor im Wettbewerb gelang, den vielumjubelten Ausgleich aus schier unmöglichem Winkel. Nun gelang ihm wohl sein wichtigstes Tor für seine Farben.

Die Verlängerung musste die Entscheidung bringen im Modus Sudden Death bei drei gegen drei und jeweils 20 Minuten solange, bis ein Sieger gefunden wird. Wer kürte sich zum Helden von Göteborg? Die Fans kamen in den Genuss des ultimativen Kicks. Jetzt kam es auf die richtigen Laufwege an, das Auskucken des optimalen Moments für den Abschluss. Lulea begann zielstrebiger. Für Frölunda war es die zweite Verlängerung in einem Finale. Sollte etwa ein Powerplay den Siegtreffer generieren? So war es, denn Jere Innala netzte in der 65. Spielminute unhaltbar zum Siegtreffer ein.

Somit holte sich Frölunda Göteborg zum 5.Mal die europäische Trophäe, die getreu den sechs Ligen in Europa in Form eines Hexagons gestaltet war, welche ursprünglich das Fundament des Wettbewerbs darstellten.

Frölunda HC – Lulea HF 3:2 n.V. (0:0|1:0|1:2|1:0)

Tore:

1:0 |32.| Nicklas Lasu SH1
1:1 |42.| Eetu Koivistoinen (Brome, Omark)
2:1 |36.| Jacob Peterson (Tömmernes, Innala) PP1
2:2 |60.| Otto Leskinen (Tardif, O‘Neill) PP1
3:2 |65.| Jere Innala (Tömmernes, Ruotsalainen) PP1

Schiedsrichter:  Holm (SWE) / Sternat (AUT)

Zuschauer: 12.044

Bericht von: Hermann Graßl | Foto: CHL

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