
IIHF WM 2026: Famose Schweizer zeigen der deutschen Mannschaft die Grenzen auf – 6:1 Kantersieg
In der Swiss Life Arena in Zürich kam es zum Nachbarschaftsduell zwischen dem Gastgeber Schweiz und Deutschland.
Die DEB-Auswahl kassierte gegen aufopferungsvolle Letten die zweite Pleite in diesem Turnier und stand mächtig unter Druck. Gegen den souverän gestarteten Schweizer Gastgeber gab es keine Option, es mussten drei Punkte her, um noch eine Chance auf den Einzug ins Viertelfinale zu wahren. Es gab viele Stellschrauben für Headcoach Harold Kreis: Unterzahl, Überzahl und Chancenverwertung! Statistisch rangierte man in diesen Disziplinen auf dem letzten Platz unter den 16 WM-Teams.
Gastgeber Schweiz hatte nach zwei Spieltagen eine makellose Bilanz aufzuweisen und vor allem der Auftaktsieg gegen den Weltmeister USA ließ die Nati auf eine grandiose Heim WM hoffen. Die Bilanz der Schweizer gegen Deutschland war bei den letzten beiden Weltmeisterschaften makellos, man gewann vier der vergangenen fünf Partien. Demzufolge ging die Nati als Favorit in diese brisante Partie mit richtungsweisendem Charakter für das deutsche Team.
Hochklassige Begegnung auf Augenhöhe
Für die DEB-Auswahl stellte dieses brisante Derby schon ein Do or Die Match dar. Heute galt das Motto dieser WM „Time to shine“ umso mehr: es konnte keinen besseren Zeitpunkt dafür geben! Headcoach Harold Kreis nahm Veränderungen vor: Anstelle von Philipp Grubauer hütete Debütant und Jungspund Jonas Stettmer das Gehäuse und Andy Eder kehrte ins Line Up zurück. Manuel Wiederer bekam eine Pause und Phillip Sinn erhielt seinen ersten Einsatz in der Verteidigung. Auf Sven Andrighetto musste die DEB-Auswahl besonders achten, der beim Aufeinandertreffen in der letzten WM mit vier Treffern das Spiel alleine entschied.
Die Schweiz mit ihrer goldenen Generation und ihrem neuen Dompteur hinter der Bande, Jan Cadieux, war erpicht, auch ihr drittes Vorrundenmatch erfolgreich zu gestalten und weiter in Richtung Finale zu marschieren. Es gab früh das erste Powerplay für Deutschland, doch schon wieder erwiesen sich die special teams als fehlerbehaftet und man gelangte nicht in die Aufstellung. So rannen die Sekunden wirkungslos herunter ohne einen einzigen Torschuss realisiert zu haben. Das Penalty Killing der Gastgeber war auch sehenswert.
Die Hausherren verbuchten ihren ersten Torschuss erst nach über sechs Minuten und konnten bislang auch nicht ihre gewohnte Dominanz ausstrahlen. Einen drei auf eins Konter konnte das deutsche Team nicht nutzen, das sich in den ersten zehn Minuten sehr gut verkaufte und körperlich dagegenhielt. Auf Goalie Jonas Stettmer war Verlass, was nun im ersten Unterzahlspiel dringend vonnöten war. Keeper Stettmer knüpfte nahtlos an seine brillante Finalperformance an und es gab hochkarätige Chancen für Deutschland.
Die Atmosphäre in der ausverkauften Swiss Life Arena war relativ ruhig, was hauptsächlich an der starken Leistung der DEB-Auswahl lag.
Dove-McFalls: „Es ist ein schnelles Spiel bei dieser Stimmung. Unser Puck Management war bisher auch sehr gut und viele Scheiben zum Tor gebracht.“
Schweiz zerlegt Deutschland
Deutschland, das ein nahezu perfektes erstes Drittel absolvierte, startete in den Mittelabschnitt mit einem Powerplay bei frischem Eis: es war irgendwie der Wurm drin in dieser Disziplin, denn auch dieses Mal sprang nichts Zählbares heraus. Aller guten Dinge sind drei, denn es gab wieder Powerplay für die DEB-Auswahl, doch die Hausherren agierten aggressiv. Und dann kassierte Deutschland sogar den Shorthander kurz vor Ablauf der Schweizer Strafzeit. Torschütze war Denis Malgin in der 26. Spielminute nach einer feinen Passstafette. Nur drei Minuten danach zelebrierten die Gastgeber erneut ihre Qualität, als Denis Andrighetto zum zweiten Mal einnetzte. Und der dritte Treffer ließ nicht lange auf sich warten, der in der 30. Spielminute durch Christoph Bertschy fiel.
Das waren brutale Nackenschläge für die DEB-Auswahl, die sich binnen knapp viereinhalb Minuten die Butter vom Brot nehmen ließ. War dies schon die Vorentscheidung? Die Torflaute bei den Deutschen hielt nun schon fast fünf Drittel an, das konnte nicht der Anspruch des WM Zweiten von 2023 sein! Was war denn hier nun los im Mittelabschnitt? Nach dem vierten Treffer durch Nico Hischier in der 38. Spielminute traf in der 39. Spielminute Roman Josi auch noch. Nun überrollten die Schweizer das deutsche Team nach Belieben und spielten ihre Klasse aus. Die Effizienz im zweiten Drittel war herausragend!
Mik: „Wir gaben zu leicht die Chancen her, die Schweiz war eiskalt in ihrer Verwertung. Wir müssen nun eine Reaktion zeigen.“
Schweiz gnadenlos mit halbem Dutzend – Ehrentreffer durch Tiffels
Was konnte bei diesem desaströsen Spielstand für Deutschland noch drin sein im letzten Abschnitt? Das Ziel musste sein, mit einem guten Gefühl in die nächste schwere Partie gegen den amtierenden Weltmeister USA zu gehen und zumindest das Drittel zu gewinnen. Die Gastgeber flogen inzwischen über das Eis und hielten die deutsche Mannschaft auf Distanz. Es ging munter weiter, denn in der 46. Spielminute machte Sven Andrighetto das halbe Dutzend voll. Nun wurde es peinlich für das deutsche Eishockey. Stand jetzt war es die höchste Niederlage seit dem Jahr 1937!
Die Gastgeber spielten sich in einen Rausch, visierten beim Powerplay zwei Mal das Gestänge an und zeigten ein feines Kombinationsspiel. De deutsche Mannschaft lief nur hinterher und konnte keine Akzente mehr setzen. Es glich einem Offenbarungseid, was die DEB-Auswahl hier auf das Parkett legte. Darüber musste sicherlich diskutiert werden im Nachgang.
Tatsächlich klappte es dann doch noch mit dem Ehrentreffer in Person von Freddy Tiffels in der 56. Spielminute. Moritz Seider wurde als bester Spieler des Tages gewählt.
In nur knapp 13 Spielminuten wurden Deutschland die Grenzen aufgezeigt und die Schweiz demonstrierte auf höchstem Niveau ihre Favoritenrolle bei dieser Weltmeisterschaft. Für die Schweizer Nati kam nur Gold in Frage! Deutschland erlebte am heutigen Abend eine Lehrstunde gegen herausragende Schweizer.
Stettmer: „Es war eine große Ehre in der Nationalmannschaft zu spielen. Wir verloren den Faden, es war ein schwieriges Spiel. Es war hart, so schnell zwei Gegentore zu kassieren, davon konnten wir uns nicht mehr erholen. Es gilt den Glauben an das Viertelfinale aufrechtzuerhalten, es gibt noch genügend Spiele.“
Seider: „Wir sind völlig auseinandergefallen und so kommt dieser Spielstand zustande. Wir waren mental nicht stark genug. Wir sind sehr frustriert. Es war sehr ordentlich bis zum Gegentor.“
WM 18.05.2026
Deutschland – Schweiz 1:6 (0:0|0:5|1:1)
Tore:
0:1 |26.| Denis Malgin (Hischier, Josi) SH1
0:2 |29.| Sven Andrighetto (Malgin, Meier)
0:3 |30.| Christoph Bertschy (Niederreiter, Jung)
0:4 |38.| Nico Hischier (Meier, Josi) PP1
0:5 |39.| Roman Josi (Meier, Josi) PP1
0:6 |46.| Sven Andrighetto (Malgin, Suter)
1:6 |56.| Frederik Tiffels (Reichel, Samanski)
Haupt-Schiedsrichter: Ondracek (CZE) / Holm (SWE)
Zuschauer: 10.000
Bericht von: Hermann Graßl | Foto: City-Press GmbH
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