
IIHF WM 26: Norwegen schreibt die Cinderella Story und verdient sich die Bronzemedaille
Dejá-vù bei der Heim WM in der Schweiz: Das Überraschungsteam aus Norwegen spielte erneut gegen den Top Favoriten Kanada. Dieses Mal ging es um die Bronzemedaille.
Norwegen schrieb bereits Geschichte, was mit dem Einzug ins Halbfinale noch getoppt wurde. Zum krönenden Abschluss hatten sie die einmalige Gelegenheit, ihren bisherigen beherzten Auftritt in diesem Turnier mit einer historischen Bronze Medaille zu veredeln. Würden die Skandinavier ihr Eishockey Märchen fortsetzen gegen eine vielleicht frustrierte und enttäuschte kanadische Mannschaft? Der Punktgewinn in der Vorrunde machte den Norwegern sicherlich Mut.
Team Kanada musste gegen Finnland eine nicht eingeplante Niederlage hinnehmen und durfte mit dem undankbaren Spiel um Platz drei bei der WM Vorlieb nehmen. Man suchte nach Erklärungen, wieso die Kanadier im Mittelabschnitt gegen Suomie die Partie quasi hergeschenkt hatten. Wie würde die Reaktion der Ahornblätter aussehen, da ihr Anspruch bei Weltmeisterschaften immer nur eine Goldmedaille war. Alles andere wäre in der Heimat indiskutabel und eine herbe Enttäuschung.
Norwegen legt vor
Duell der Gegensätze: Eishockeyzwerg Norwegen fordert Eishockeygigant Kanada. Auf dem Papier eigentlich eine klare Sache, aber in Entscheidungsspielen ist oft vieles möglich und es war das Match des Gruppenersten gegen den Tabellenzweiten der Vorrunde. Diese Konstellation sprach für eine spannende Begegnung. Wer würde die frischeren Beine und mehr Energie aufweisen? Klare Vorgabe des kanadischen Headcoaches Misha Donskov war es, mit einer Medaille um den Hals heimzufahren. Doch statistisch betrachtet war ein Spiel um Platz drei bei den Ahornblättern nicht sonderlich beliebt seit 1995.
Norwegen ging gleich physisch zu werke und nahm nach nur 16 Sekunden die erste Strafzeit: trotz solidem Kombinationsspiel überstand Norwegen diese brenzlige Situation. Danach verbuchten die Skandinavier mehrere gute Gelegenheiten binnen kürzester Zeit. Und dann ging der krasse Außenseiter tatsächlich in Führung, als nach einem fatalen Missverständnis der Kanadier Emilio Mathias Pettersen gedankenschnell reagierte und in der 7. Spielminute den Puck im Fallen akrobatisch versenkte. Das war ganz nach dem Geschmack der Norweger, die weitere Top Chancen hatten zum Ausbau des Vorsprungs.
Norwegen hielt die Physis aufrecht und Sidney Crosby musste sich nach einem harten Check erst mal schütteln, was aber ein zweites Powerplay für die Ahornblätter nach sich zog. Goalie Henrik Haukeland erwies sich wie gewohnt als starker Rückhalt und die Null stand weiter. Der Favorit übte dann mächtig Druck aus, doch die tapferen Norweger blockten leidenschaftlich. Die optische Überlegenheit konnte Kanada indes in keinen Treffer ummünzen.
Norwegen jubelt erneut
Kanada wollte unbedingt den schnellen Ausgleich erzwingen und das Team war anfangs spielbestimmend. Norwegens erstes Powerplay verpuffte hingegen wirkungslos. Die Ahornblätter demonstrierten im Mittelabschnitt mehr Zug zum Tor, doch die Skandinavier schienen frischer und bereiter zu sein. Die Kanadier ließen sich weitgehend von den harten Checks des Eishockeyzwergs Norwegen beeindrucken und wollten es spielerisch lösen, was der Kontrahent aber meistens geschickt unterbinden konnte.
Vielleicht sorgte das nächste Überzahlspiel von Kanada für ein Erfolgserlebnis, doch auch diese numerische Unterlegenheit überstand der Außenseiter. Kaum zu glauben, in der 33. Spielminute erhöhte Stian Solberg für den zweiten norwegischen Treffer. Dieser Nackenschlag schockte die Kanadier und Sidney Crosby musste dann selbst in die Kühlbox. Die Körpersprache auf dem Eis nach dem Gegentor sprach Bände: Kanada am Boden, Norwegen in Feierlaune.
Bisher gab es erst zwei Siege von Norwegen gegen das große Kanada. Auch bei den Zweikämpfen ließen die Skandinavier wenig anbrennen, was den hohen Favoriten kontinuierlich zum Nachdenken brachte. Wann mal ein gefährlicher Schuss durchkam, dann war auf der hellwache Keeper Henrik Haukeland zur Stelle.
Kanada trifft spät und gleicht 8 Sekunden vor der Sirene aus – Norwegen siegt!
War Kanada noch gewillt genug, die Begegnung zu seinen Gunsten zu drehen und mehr zu investieren als bisher? Norwegen machte den Eindruck, viel emotionaler unterwegs zu sein als der Rekordweltmeister. Dann rettete der Pfosten für Kanada, das nun sehr bemüht agierte. Die Partie wurde nun zusehends offener, was Norwegen zu Kontern einlud. Solche big chances mussten die Norweger nutzen.
Drittes Powerplay für Norwegen und fast hätte es geklappt und das vierte folgte zugleich: die Norweger verzeichneten Top Gelegenheiten und haderten etwas mit ihrer Verwertung. Sollte sich dies noch rächen?
Auch das nächste Powerplay für Team Kanada brachte nichts. Es blieben noch knapp drei Minuten auf der Uhr: Die Ahornblätter gingen all in und zogen ihren Keeper. 76 Sekunden vor der Schlusssirene belohnten sich die Kanadier dann noch mit dem Anschlusstreffer durch Robert Thomas. Es wurde dramatisch am Ende und auch der Empty Netter gelang nicht. Es ging um Zentimeter. Unfassbar, was sich hier abspielte, denn 8 Sekunden vor dem Ende fiel doch noch der kaum mehr geglaubte Ausgleich erneut durch Robert Thomas.
Nun ging es in die zehnminütige Verlängerung im drei gegen drei Modus: es wurde erneut so spannend wie in der Vorrunde, als es ebenfalls in die Overtime ging. Und tatsächlich belohnte sich Norwegen durch den entscheidenden Treffer vom Youngster Noah Steen mit der Bronzemedaille.
Kanada verlor schon zum sechsten Mal in Folge ein Match in der Verlängerung. Das kleine Norwegen ärgert das Mutterland des Eishockeys und Noah Steen wird zum Helden, als er selbst Verantwortung übernahm! Norwegen schreibt eine Cinderella Story und verzückt die Fans in der Swiss Life Arena.
WM 31.05.2026 – Spiel um Bronze
Kanada – Norwegen 2:3 n.V. (0:1|0:1|2:0|0:1)
Tore:
0:1 |07.| Emilio Mathias Pettersen (Kasastul)
0:2 |33.| Stian Solberg (Brandsegg-Nygard, Johannesen)
1:2 |59.| Robert Thomas
2:2 |60.| Robert Thomas (O’Reilly, Celebrini)
2:3 |64.| Noah Steen
Haupt-Schiedsrichter: Holm (SWE) / MacFarlane (USA)
Zuschauer: 10.000 (ausverkauft)
Bericht von: Hermann Graßl | Foto: Fabrizia Semino
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