
Finnland ist Weltmeister – die Schweiz gewinnt Silber
Finnland ist Weltmeister! Und die Schweiz gewinnt zum dritten Mal hintereinander an der WM die Silbermedaille. Es ist eine Medaille, die im ersten Moment weg tut, weil es im dritten Finale nacheinander nicht gelungen ist, ein Tor zu schiessen. Aber schon morgen werden sowohl Finnland, aber auch die Schweiz stolz sein können auf den grossartigen Final, den sie der Welt geboten haben.
Die “W.Nuss vo Bümpliz” wurde zur Siegeshymne der Schweizer Eishockey Nationalmannschaft. Neunmal hat die Schweiz bisher an dieser Heim-WM gewonnen und neunmal wurde nach dem Sieg dieser Song der Berner Mundartrockband Patent Ochsner gespielt. “Ochseners”, wie sie ab und an genannt werden, sind eine der vielen Berner Mundart Bands. Weitere sind Polo Hofer, er im Sommer 2018 verstorben, Span, Gölä, Lo & Leduc, Stiller Haas und der legendäre, im November 1972 bei einem Autounfall ums Leben gekommene Mani Matter. Matters berndeutschen Chansons zählen zu den populärsten der deutschsprachigen Schweiz.
Und dann ist da natürlich noch die Berner band “Züri West”, welche für den heutigen Final zwischen der Schweiz und Finnland die perfekte geographische Beschreibung bietet. Bern befindet sich im Westen von Zürich, in Zürich findet der Final statt und nach dem Spiel wird wieder der Song einer Berner Band durchs Land hallen. Der Bandname der 1990 gegründeten “Patent Ochsner” stammt von einer Aufschrift auf Abfalleimern und Müllcontainern der Firma J. Ochsner AG.
Es ist wohl Zufall, dass sich Nico Hischier, einer der Superstars der Schweizer, einen Song der “Ochsners” gewünscht hat. Die Vielfältigkeit der Schweizer Nati, sowohl bezüglich Können und Spielideen, lässt sich wunderbar mit der Berner Band vergleichen.
Die Musik von Patent Ochsner zeichnet sich durch eine grosse Vielfältigkeit und auch Überraschendem aus. Schon immer waren neben den üblichen Instrumenten (Gitarre, Bass, Schlagzeug, Gesang) auch Mandolinen, Celli, Violinen, Saxophone, Posaunen, Akkordeon und eine Blaskapelle zu hören. Auf den ersten drei Alben (Schlachtplatte, Fischer und Gmües) sind auch viele Einflüsse der Schweizer Volksmusik hörbar. Büne Huber, der Frontmann von Patent Ochsner hat übrigens nie verraten, ob die Figur des Songs, “W.Nuss” ist offensichtlich eine Frau, real ist, woher die Initialen stammen und wofür das “W.” steht.
Im Lied wird die «W. Nuss» als etwas Leichtes, Flüsterndes und Unerreichbares beschrieben, die durch den Berner Stadtteil Bümpliz geht. Bümpliz liegt übrigens im Westen Berns. Die “W.Nuss” gilt als urbane Legende und ein Symbol für eine mysteriöse Traumfrau. Womit wir die Logik erkennen können, weshalb eigentlich nur dieser Song heute, an diesem Finaltag, die inoffizielle Hymne sein kann. Die Leichtigkeit, mit der die Nati bisher durch die WM ging, ist beeindruckend. Dass man heute um Gold spielt, haben viele bisher nur zu flüstern gewagt, zu unerreichbar schien dieses Ziel. Doch der mysteriöse Traum vom Weltmeistertitel lebt. Sonntag, 31. Mai 2026, 20:20 Uhr, es geht los.
Die Schweiz will, was Finnland vor vier Jahren geschafft hat. Gold an der Heim-WM! Die ersten Minuten gestalteten sich ausgeglichen. Die ganz grossen Chancen blieb hüben wie drüben aus. In der sechsten Minute kamen die Finnen zu ihrer ersten grossen Chance. Torhüter Leonardo Genoni war für die Schweiz aber auf dem Posten.
Die Finnen verzeichneten in der ersten rund 10 Minuten mehr Torschüsse, dann konnte die Schweiz ein erstes Mal in Überzahl spielen. Ohne allerdings davon profitieren zu können. Danach kamen die Finnen zu ihrem ersten Powerplay, sie beschäftigten die Schweizer während zwei Minuten in deren Verteidigungsdrittel und erzielten das vermeintliche 0:1. Vermeintlich, weil das Tor wegen hohem Stock annulliert wurde.
Einige Sekunden vor Schluss des ersten Drittels gerieten die Finnen in doppelte Unterzahl. 5 gegen 3 Feldspieler für die Schweiz während zwei Minuten. Die ersten 6 Sekunden dieser Überzahl fand noch im ersten Drittel statt und prompt kam Timo Meier bereits zu einer Chance. Christoph Bertschy hatte in einem Radiointerview vor dem Spiel noch gesagt: “Es Goal schiesse wär scho no guet.” Nachdem man in den beiden letzten Finals keines erzielt hatte, bot sich jetzt die Chance dazu.
Die Schweizer Leistung während dieser Überzahl war geprägt von Nervosität und Ungenauigkeit. Entsprechend konnte die nun über drei Jahre anhaltende Torflaute noch nicht gebrochen werden. Von der Anzahl Torschüssen her glich sich die Partie im zweiten Drittel aus. Was heisst, dass die Schweiz besser auftrat. Die Schweizer mussten aber auf der Hut bleiben, denn so schnell wie die Finnen ihr Umschaltspiel aufziehen konnten, konnten sie auch immer sehr schnell grosse Gefahr vors Schweizer Tor bringen.
Sowohl die Statistik wie auch das Gefühl des Schreibenden zeigten zum Schluss des zweiten Drittel, dass die Schweiz das Spiel langsam aber sicher in den Griff kriegte. Die Defensive war stabil und die Offensive wurde langsam besser. Der Schweizer Trainer Jan Cadieux schien zu diesem Zeitpunkt die Verteidigungspaarung um Roman Josi zu forcieren.
Die Schweizer hatten die Physionomie der Partie im zweiten Drittel drehen können. War es in der Torschussstatistik zum Ende des ersten Drittels noch 7:14 zu Gunsten von Finnland gestanden, so hatten die Schweizer diese Statistik bis zum Endes des zweiten Drittels ausgleichen können. Auf diesen Umstand angesprochen meinte Pius Suter im SRF Pausen-Interview “Wir haben ruhig gespielt und Beine besser bewegt.”
Zwei Drittel gespielt. Immer noch 0:0. Die Spannung stieg langsam aber stetig. Bundespräsident Guy Parmelin hatte im SRF-Interview vor dem Spiel stellvertretend für die gesamte Schweizer Bevölkerung und schon fast prophetisch gemeint: Er hoffe, dass es nicht zu spannend werde. Die ganze Schweiz war am heutigen Abend einig mit dem Bundespräsidenten.
Zu Beginn des dritten Drittels erhielt der Schreibende von Hans eine prophetische Nachricht: “Ma dini Tastatur no nache mit schriebe? Nach mire Fehrnsicht gits im letschte Dritel äs tolls Schweizer-Führeärk💥💥💥 u mir heise die goldigi Venus v Altstette aber immer no heimatberächtigt vo Bümplitz 🥇” Der Traum lebt.
Die Schweiz nahm den Schwung vom Ende des zweiten ins dritte Drittel mit und kam sofort wieder zu einer Chance und viel Scheibenbesitz. Die ersten acht Minuten dieses dritten Drittels waren allerdings von gegenseitiger Vorsicht geprägt. Beide Teams suchten nicht das letzte Risiko und entsprechend gab es auch nur je einen Schuss aufs gegnerische Tor.
Und dann waren die regulären 60 Spielminuten vorbei und es stand immer noch 0:0. Damit kam es zur Verlängerung. Eine Verlängerung, die mit 3 gegen 3 Feldspieler ausgespielt wird. Will heissen, man spielt bis ein Tor fällt. Penaltyschiessen wird es keines geben. Die Spannung stieg Richtung Siedepunkt.
Grad zu Beginn der Verlängerung traf Finnland den Innenpfosten. Schrecksekunde, wobei das doch stark untertrieben ist. Nach vier Minuten traf dann Damien Riat für die Schweiz die Latte. 3 gegen 3 in einer Verlängerung ist eine unfassbar spannende Angelegenheit. Denn jeder auch noch so kleine Fehler kann die Entscheidung für den Gegner herbeiführen.
Beide Teams spielten auch in dieser Verlängerung auf absolutem top Niveau. Denn 3:3 ist taktisch gesehen ein ganz anderes Spiel. Scheibenbesitz ist das A&O. Der Stich ins Schweizer Herz folgte dann in Minute 70:42. Konsta Hellenius traf für Finnland und bescherte den Finnen ihren 5. Weltmeistertitel.
Zum sechsten Mal in der Eishockey Geschichte gewinnt die Schweiz Silber. Auf der einen Seite nur Silber. Auf der anderen Seite darf man aber nicht vergessen, dass die Schweiz nun an drei aufeinander folgenden Weltmeisterschaften im Final standen und Silber gewannen. Selbstverständlich ist es jetzt gerade ein riesiger Stich ins Herz. Aber noch einmal: die Schweiz hat zwar nicht Gold, aber zum dritten Mal hintereinander Silber gewonnen.
Nach dem Spiel wurde dann noch der MvP der WM gewählt. Es konnte nur einer sein und er wurde es. Roman Josi, der Superstar mit Wurzeln, nicht in Bümpliz, aber in Ostermundigen.
Die Eishockey Saison 202/26 ist nun in Europa vorbei. Es war eine Saison, die Fribourg Gottéron den ersten Meistertitel und der Schweiz die dritte Silbermedaille in Folge brachte. Es hat Spass gemacht, diese Saison für euch zu begleiten. Wir wünschen euch einen tollen Sommer und freuen uns auf euch im Herbst.
Und hier soll trotz allem nochmal der Text der W.Nuss vo Bümliz in Erinnerung gerufen werden:
D’w. nuss vo bümplizIsch schön win es füür I dr nachtWin e rose im schneeWe se gseh duss in bümplizDe schlat mir mys härz hert im halsUnd I gseh win I ungergah, ja, ja
Nein, wir sind nicht untergegangen, die Schweiz hat Silber gewonnen. Und wir haben eine absolut grossartige WM in der Schweiz organisiert und erleben dürfen. Darauf dürfen, ja müssen wir stolz sein.
In diesem Sinne, habt einen guten Sommer!! Die aller letzte Entscheidung der Saison 2025/26 steht in der NHL noch aus. Dort treffen die Vegas Golden Knights auf die Carolina Hurricanes. Die erste Partie findet am nächsten MIttwoch, 3. Juni 2026 statt.
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Schweiz – Finnland 0:1 (0:0 |0:0 |0:0 |0:1)
Tore:
0:1 | 71.| Konsta Hellenius (Lundell, Lehtonen)
Zuschauer
10’000 Zuschauer (ausverkauft)
Swiss Life Arena, Zürich Altstetten
Bericht von: Valentin Lagger | Foto: Imago
Eishockey-Online Network
