Rekordandrang in Bad Tölz: Was das Helmut-de-Raaf-Eishockeycamp besonders macht

11.Juli 2026DEL

Alle drei Wochen ausgebucht – und das bereits Anfang November: Das Helmut-de-Raaf-Eishockeycamp in Bad Tölz hat in diesem Jahr einen neuen Rekord bei den Anmeldungen erreicht. Wer sich einen Platz sichern wollte, musste frühzeitig handeln.

Die große Nachfrage kommt nicht überraschend. Über viele Jahre hat sich das Camp zu einer festen Größe entwickelt. Mehrere hundert Kinder und Jugendliche reisen jeden Sommer nach Bad Tölz, um intensiv zu trainieren, neue Erfahrungen zu sammeln und für einige Tage vollständig in die Welt des Eishockeys einzutauchen.

Viele Familien kommen regelmäßig zurück. Einige Teilnehmer verbringen über mehrere Jahre ihre Sommer im Camp. Andere sind inzwischen über die Altersgrenze hinausgewachsen und kehren später als Betreuer zurück. Das zeigt, dass die Verbindung zum Camp häufig über eine einzelne Trainingswoche hinausreicht.

„Alle drei Campwochen waren bereits Anfang November komplett ausgebucht. So früh waren wir noch nie voll“, berichtet Marion de Raaf, die einen großen Teil der Organisation verantwortet.

Eingespielte Abläufe als Grundlage

Hinter dem reibungslos wirkenden Ablauf steckt viel Vorbereitung. Teilnehmer müssen in passende Gruppen eingeteilt, Trainer und Betreuer koordiniert sowie Unterkünfte, Verpflegung, Eiszeiten und Freizeitangebote organisiert werden. Dass die Strukturen inzwischen eingespielt sind, ist ein wichtiger Teil des Erfolgs.

Gleichzeitig lebt das Camp nicht allein von einer guten Organisation. Seine sportliche Identität ist eng mit Helmut de Raaf und dessen Vorstellung von moderner Eishockeyausbildung verbunden.

Die Handschrift von Helmut de Raaf

Helmut de Raaf zählt zu den prägenden Persönlichkeiten des deutschen Eishockeys. Als Torhüter gewann er zahlreiche Titel und vertrat Deutschland bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen. Nach seiner aktiven Laufbahn verlagerte sich sein Schwerpunkt zunehmend auf die Ausbildung junger Spieler.

Als Nachwuchstrainer, Ausbilder und sportlich Verantwortlicher arbeitete er über viele Jahre mit Talenten auf höchstem Niveau. Besonders eng verbunden ist sein Name mit der erfolgreichen Nachwuchsarbeit der Jungadler Mannheim. Nach einer Zwischenstation als Cheftrainer bei den Schwenninger Wild Wings arbeitet de Raaf mittlerweile als Director of Development an der Red Bull Akademie in Salzburg.

Viele Spieler, die anschließend den Sprung in den Profibereich schafften, kamen auf ihrem Weg mit seiner Arbeit und seinen Ideen in Berührung. Doch gerade im Camp zeigt sich, dass de Raaf Nachwuchsförderung nicht nur auf künftige Profis reduziert.

Nicht jeder junge Teilnehmer bringt dieselben Voraussetzungen mit. Nicht jeder verfolgt das Ziel, später einmal professionell Eishockey zu spielen. Dennoch soll jeder Einzelne etwas aus der Woche mitnehmen können.

Persönliche Tipps für jeden Teilnehmer

Helmut de Raaf versucht deshalb, so viele Eiszeiten wie möglich persönlich zu begleiten. Trotz der Größe des Camps nimmt er sich Zeit für einzelne Spieler, beobachtet genau und gibt konkrete Hinweise. Manchmal geht es um eine technische Bewegung, manchmal um die Positionierung auf dem Eis oder um eine Entscheidung in einer bestimmten Spielsituation.

Gerade diese persönliche Präsenz ist ein wichtiger Bestandteil des Camps. De Raaf steht nicht lediglich als bekannter Name über dem Konzept. Er ist auf dem Eis, schaut sich die Entwicklung der Gruppen an und sucht immer wieder den direkten Kontakt zu den Teilnehmern.

Seine Hinweise fallen dabei nicht für jeden Spieler gleich aus. Manche Kinder benötigen eine genaue Erklärung, andere eine kurze Demonstration oder einen kleinen Tipp im richtigen Augenblick. Erfahrung zeigt sich in solchen Situationen nicht nur darin, einen Fehler zu erkennen, sondern auch darin, die passende Form der Korrektur zu finden.

De Raaf kennt den Leistungssport und seine Anforderungen. Gleichzeitig weiß er aus jahrzehntelanger Nachwuchsarbeit, dass Entwicklung nicht auf Knopfdruck geschieht. Junge Spieler benötigen klare Vorgaben, aber ebenso Geduld, Vertrauen und die Möglichkeit, eigene Erfahrungen zu sammeln.

Diese Haltung prägt das Camp und macht Helmut de Raaf zu weit mehr als nur seinem Namensgeber.

Das Spiel verstehen, statt nur Übungen abzuarbeiten

Die Trainingsphilosophie des Camps orientiert sich an den Anforderungen des modernen Eishockeys. Technische Fähigkeiten bleiben die Grundlage: Schlittschuhlaufen, Puckkontrolle, Passspiel und Schusstechnik müssen regelmäßig trainiert werden.

Doch technische Qualität allein reicht im Spiel nicht aus.

Räume öffnen und schließen sich innerhalb weniger Augenblicke. Gegner erzeugen Druck, Mitspieler verändern ihre Position und ein vermeintlich klarer Spielzug kann plötzlich nicht mehr umgesetzt werden. Spieler müssen Situationen erfassen und innerhalb kürzester Zeit eine passende Entscheidung treffen.

Der moderne Eishockeyspieler ist deshalb nicht nur Techniker. Er muss das Spiel lesen, seine Mitspieler wahrnehmen und auch unter Druck handlungsfähig bleiben.

Genau hier setzt de Raafs Ansatz an. Junge Spieler sollen nicht lediglich vorgegebene Bewegungsabläufe wiederholen. Sie sollen lernen, warum sie etwas tun und welche Möglichkeiten ihnen in einer bestimmten Situation zur Verfügung stehen.

Spielen als bewusste Trainingsform

Spielsituationen nehmen deshalb einen wichtigen Platz im Training ein. Dabei geht es nicht um ein planloses Laufenlassen der Gruppen. Das Spiel wird vielmehr bewusst als Trainingsform eingesetzt.

In kleinen Spielformen müssen die Teilnehmer freie Räume erkennen, miteinander kommunizieren und eigene Lösungen entwickeln. Sie erleben unmittelbar, welche Entscheidung funktioniert und wo eine andere Möglichkeit besser gewesen wäre.

Dabei gehören Fehler ausdrücklich zum Lernprozess. Nicht jeder Pass kommt an. Nicht jeder Laufweg ist richtig und nicht jede Entscheidung führt zum Erfolg. Wer junge Spieler entwickeln möchte, muss ihnen trotzdem erlauben, Dinge auszuprobieren. Nur so lernen sie, nach einer misslungenen Aktion eine neue Lösung zu finden, statt künftig ausschließlich die vermeintlich sicherste Variante zu wählen.

Kreativität muss wieder gelernt werden

Dieser Ansatz wird auch deshalb wichtiger, weil sich das Freizeitverhalten von Kindern verändert hat. Freie Spiele auf dem Bolzplatz, der Straße oder einer improvisierten Eisfläche sind seltener geworden. Sport findet heute häufiger innerhalb festgelegter Trainingszeiten und unter Anleitung statt.

Dadurch fehlen teilweise genau die Situationen, in denen Kinder selbst Mannschaften bilden, Regeln vereinbaren, Konflikte lösen und kreative Spielideen entwickeln.

Was früher außerhalb des Vereinstrainings häufig nebenbei gelernt wurde, muss heute bewusster in die Einheiten eingebaut werden: Eigenverantwortung, Spielintelligenz und der Mut, Entscheidungen selbst zu treffen.

Eine gute Nachwuchseinheit muss deshalb von außen nicht immer perfekt geordnet aussehen. Entscheidend ist, was bei den Spielern ankommt. Erkennen sie einen freien Mitspieler? Bewegen sie sich ohne Puck? Treffen sie unter Gegnerdruck eine Entscheidung? Versuchen sie nach einem Fehler erneut, die Situation zu lösen?

Wenn das gelingt, entsteht nachhaltige Entwicklung.

Erfahrene Trainer und neue Impulse

Helmut de Raaf wird bei der sportlichen Arbeit von einem erfahrenen Trainerteam unterstützt. Mit Axel Kammerer, Christian Lorch, Juha Nokelainen und Igor Gross gehören auch in diesem Jahr bewährte Kräfte zum Camp.

Die Trainer bringen unterschiedliche Erfahrungen, Blickwinkel und Schwerpunkte mit. Für die Teilnehmer bedeutet das abwechslungsreiche Einheiten und Rückmeldungen von Persönlichkeiten, die den Sport auf verschiedenen Ebenen kennen.

Ein Trainer achtet möglicherweise besonders auf technische Details, ein anderer stärker auf Spielverständnis, Tempo oder das Verhalten ohne Puck. Gerade diese unterschiedlichen Perspektiven können jungen Spielern neue Impulse geben.

Eigene Lösungen statt fertiger Standardprogramme

Dass im Camp nicht nur nach bestehenden Mustern gearbeitet wird, zeigt eine kleine Anekdote aus dem Trainerteam. Einer der Trainer hatte im Internet ein spezielles Trainingsequipment entdeckt, das in dieser Form nicht erhältlich war.

Statt die Idee wieder zu verwerfen, wurde nach einer eigenen Lösung gesucht. Ein handwerklich begabter Betreuer baute das Gerät kurzerhand selbst, sodass es anschließend im Camp eingesetzt werden konnte.

Die Geschichte wirkt zunächst nebensächlich, beschreibt aber die Haltung im Team treffend. Es wird nicht nur ein bestehendes Programm abgespult. Die Trainer beschäftigen sich damit, wie die Einheiten weiterentwickelt und neue Trainingsideen praktisch umgesetzt werden können.

Über alle Gruppen und Campwochen hinweg kommen so mehrere hundert Stunden Eiszeit zusammen. Ergänzt wird das Training auf dem Eis durch Athletikeinheiten, spezielles Torwarttraining, Teambuilding und ein Freizeitprogramm.

Die Teilnehmer sollen intensiv arbeiten, aber nicht das Gefühl haben, lediglich einen Trainingsplan abzuarbeiten. Eine Campwoche soll sportlich fordern und zugleich als Ferienerlebnis in Erinnerung bleiben.

Eine neue Generation im Betreuerteam

Auch abseits des Eises entwickelt sich das Camp weiter. In diesem Jahr gehört eine neue Generation von Betreuern zum Team. Viele von ihnen waren früher selbst Teilnehmer und sind inzwischen über die Altersgrenze hinausgewachsen.

Nun kehren sie in einer anderen Rolle nach Bad Tölz zurück.

Unter den jungen Betreuern befinden sich unter anderem Studenten, Pädagogen und Physiotherapeuten. Sie bringen eigene fachliche Kenntnisse mit, kennen das Camp aber zugleich aus der Sicht der Teilnehmer.

Sie wissen, wie sich der erste Tag in einer neuen Gruppe anfühlt, wie anstrengend mehrere intensive Trainingseinheiten sein können und welche kleinen Fragen oder Unsicherheiten während einer Campwoche entstehen.

Aus Teilnehmern werden Verantwortliche

Diese Erfahrung ist im Umgang mit den Kindern wertvoll. Gleichzeitig zeigt ihre Rückkehr, welche Bindung das Camp über viele Jahre aufgebaut hat.

Wer als Kind selbst in Bad Tölz trainiert hat und später Verantwortung für die nächste Generation übernimmt, steht beispielhaft für die Gemeinschaft, die rund um das Camp entstanden ist. Aus Teilnehmern werden Betreuer, aus eigenen Erinnerungen entsteht die Bereitschaft, anderen eine ähnlich positive Erfahrung zu ermöglichen.

Die Betreuung ist dabei weit mehr als eine organisatorische Ergänzung zum Training. Gerade abseits des Eises benötigen die Kinder Ansprechpartner, Orientierung und Unterstützung. Ein gutes Camp wird nicht nur durch seine Trainer geprägt, sondern ebenso durch die Menschen, die den Alltag der Teilnehmer begleiten.

Marion de Raaf hält die Fäden zusammen

Während Helmut de Raaf dem Camp seine sportliche Ausrichtung gibt, sorgt Marion de Raaf im Hintergrund dafür, dass aus den vielen einzelnen Bestandteilen ein funktionierendes Ganzes entsteht.

Ihre Arbeit beginnt lange vor der ersten Trainingseinheit. Anmeldungen müssen bearbeitet, Gruppen eingeteilt, Informationen verschickt und zahlreiche Absprachen getroffen werden.

Bei mehreren hundert Teilnehmern genügt kein grober Ablaufplan. Trainingszeiten, Unterkünfte, Verpflegung, Betreuung und Freizeitprogramm müssen aufeinander abgestimmt sein. Hinzu kommen Rückfragen der Eltern, kurzfristige Änderungen und die vielen kleinen Herausforderungen, die sich trotz guter Vorbereitung erst während einer Campwoche zeigen.

Marion de Raaf ist dabei eine zentrale Ansprechpartnerin und hält viele organisatorische Fäden zusammen. Ihre Arbeit ist für Außenstehende weniger sichtbar als das Geschehen auf dem Eis, für den Erfolg des Camps aber ebenso wichtig. Dass Abläufe ruhig, verlässlich und beinahe selbstverständlich wirken, ist das Ergebnis einer umfangreichen Vorbereitung.

Mehr als eine Woche Sommereis

Auch der Standort Bad Tölz trägt zur Atmosphäre des Camps bei. Die Stadt steht seit Jahrzehnten für Eishockeytradition und Nachwuchsarbeit. Die Eishalle mit zwei Eisflächen bietet mitten im Sommer die Grundlage für intensive Trainingstage, während die Umgebung zahlreiche Möglichkeiten für gemeinsame Aktivitäten abseits des Eises eröffnet.

Für viele Kinder ist die Woche deshalb mehr als ein zusätzlicher Lehrgang. Sie verbringen mehrere Tage außerhalb ihres gewohnten Umfelds, lernen neue Mitspieler kennen und richten ihren Tagesablauf vollständig am Eishockey aus.

Mehrmals geht es aufs Eis, es folgen Athletiktraining oder andere Programmpunkte. Dazwischen stehen gemeinsame Mahlzeiten, Freizeit und das Zusammenleben in der Gruppe. Neben der sportlichen Entwicklung lernen die Teilnehmer dadurch auch, selbstständiger zu werden und Verantwortung für ihre Ausrüstung und ihren Tagesablauf zu übernehmen.

Ergänzung zur Arbeit in den Heimatvereinen

Das Camp versteht sich dabei nicht als Ersatz für die kontinuierliche Nachwuchsarbeit in den Heimatvereinen. Vielmehr soll es diese ergänzen und neue Impulse geben.

Nicht jeder Teilnehmer wird später Profi. Das muss auch nicht der Anspruch einer Campwoche sein.

Entwicklung zeigt sich auf unterschiedlichen Ebenen: in einer verbesserten Technik, einem größeren Spielverständnis, mehr Selbstvertrauen oder dem Mut, auf dem Eis eigene Entscheidungen zu treffen. Ebenso wertvoll können neue Freundschaften und eine gewachsene Begeisterung für den Sport sein.

Auch Erwachsene schnuppern Profiluft

Neben den Nachwuchsgruppen hat sich auch ein Hobbykurs für Erwachsene etabliert. Dort erhalten Spielerinnen und Spieler die Möglichkeit, unter professioneller Anleitung an ihrer Technik, Fitness und Spielweise zu arbeiten.

Auch das passt zum Charakter des Camps. Eishockey wird hier nicht nur als Leistungssport verstanden, sondern als Leidenschaft. Ob Kind, Jugendlicher oder Erwachsener: Wer bereit ist zu lernen und sich auf das Training einzulassen, findet in Bad Tölz seinen Platz.

Ein Camp mit einer klaren Idee

Die Campwochen sind mehr als ein sportliches Ferienangebot. Bad Tölz wird für mehrere Wochen zu einem Treffpunkt für junge Eishockeyträume – zu einem Ort, an dem Erfahrung weitergegeben wird und an dem gute Organisation, fachliche Qualität und echte Leidenschaft zusammenkommen.

Vor allem aber ist es ein Camp mit einer klaren Idee von Ausbildung: Kinder sollen spielen, lernen, Entscheidungen treffen und wachsen.

Denn die Zukunft des deutschen Eishockeys entsteht nicht durch perfekt aufgestellte Hütchenreihen, sondern durch Spielerinnen und Spieler, die das Spiel lieben, verstehen und mutig gestalten.

 

Bericht von: BM | Foto: de-raaf.de

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