
IIHF WM 2026: Unglückliche Niederlage nach Penaltyschießen gegen die USA
In der Swiss Life Arena in Zürich stand die Partie zwischen dem amtierenden Weltmeister aus den USA und Deutschland auf der Agenda.
Weltmeister und Olympiasieger USA hatte aus seiner Sicht einen durchwachsenen Start und kassierte zwei klare Niederlagen gegen den WM-Gastgeber und gegen die hochgehandelten Finnen. Die US-Boys bekamen noch Verstärkung durch den frisch gebackenen Vater Matthew Tkachuk von den Florida Panthers. Der amtierende Champion musste ebenfalls noch um das Ticket fürs Viertelfinale kämpfen und benötigte dafür jeden Punkt.
Die DEB-Auswahl musste vor zwei Tagen eine deftige Pleite gegen die Schweiz hinnehmen, die sicher noch in den Köpfen der Spieler drinsteckte. Schritt eins war erstmal ein Sieg gegen die USA, bestenfalls nach regulärer Spielzeit, nötig, um vielleicht doch noch ein Wörtchen mitzureden um den Einzug unter die besten acht Nationen. Für dieses Unterfangen war eine deutliche Leistungssteigerung dringend notwendig.
Traumstart für Deutschland – Kapitän geht voran!
Für die DEB-Auswahl bestand noch eine reale Chance auf das Erreichen des Viertelfinales auch dank der Resultate der Konkurrenz. Mit vier Erfolgen am Stück wäre dieses Unterfangen am Ende der Vorrunde doch noch möglich. Vielleicht trug das Geburtstagskind Freddy Tiffels zum positiven Feeling und Stimmungsaufschwung mit bei, zumal er seinerzeit bei der legendären WM 2023 den entscheidenden Siegtreffer in der Overtime gegen die USA markierte.
Wow, welch ein Start nach Maß für das DEB-Team: nach exakt einer Spielminute traf der Kapitän Moritz Seider mit einem verdeckten Handgelenkschuss zur frühen Führung, die erste im Turnier überhaupt. War dies ein gutes Omen? Die ersten Minuten lieferte das deutsche Team ein beherztes Match und hielt die USA weg vom Tor und falls sie doch gefährlich auftauchten, war Keeper Grubauer zur Stelle. Die Passgenauigkeit war sehenswert und Stefan Loibl verpasste denkbar knapp. Es war bislang ein smartes kompaktes Auftreten.
Nach einem fatalen Fehler in der Defensive netzte die USA in der 15. Spielminute eiskalt zum Ausgleich in Person von Isaac Howard ein. Es war ein Geschenk für die US-Boys. Das erste Powerplay der Deutschen stand an und man war gespannt, ob es nun den ersten Überzahltreffer geben würde. Doch die Sekunden verrannen wirkungslos wie schon im gesamten Turnierverlauf. Dank Keeper Grubauer stand noch das Remis auf der Anzeige. Die USA forcierten den Druck zum Ende des Drittels.
Loibl: „Wir sind sehr gut rausgekommen. Wir brachten die Männer vors Tor. Läuferisch sind wir sehr gut dabei. Offensiv haben wir uns verbessert.“
USA dreht die Partie, Geburtstagskind Tiffels trifft plus Michaelis
Deutschland startete wieder geradlinig mit Zug zum Tor. Diese Einstellung war sehr löblich, man musste die gute Performance nur mitnehmen in den Mittelabschnitt und sich nicht irritieren lassen von eigenen Fehlern. Die USA kamen noch nicht richtig in Fahrt und suchten weiterhin nach ihrer Ideallinie. Die Teamzusammensetzung war nicht vergleichbar mit der siegreichen Olympiamannschaft. Nun galt es, sich gegen das erste Powerplay der USA zu wehren.
Kaum überstanden ging die USA dann doch in Führung nach einem Getümmel vorm Tor. Torschütze war Max Sasson in der 26. Spielminute. Es war kein schön herausgespieltes Tor, doch die DEB-Auswahl schien unbeeindruckt davon zu sein und glich scheinbar schnell aus. Laut Videostudium wurde sofort auf kein gutes Tor entschieden. Es gab keinen Bruch, sondern Freddy Tiffels beschenkte sich an seinem Ehrentag selbst mit einem Treffer des Willens in der 30. Spielminute. Die DEB-Auswahl holte sich nur knapp drei Minuten später die Führung zurück durch den ersten Torschuss von Marc Michaelis im Turnier, der gleich mit einem Tor gekrönt wurde. Genau so sieht Effizienz aus!
In den letzten Minuten des Mittelabschnitts absolvierten beide Mannschaften wild west Hockey mit Chancen hüben wie drüben. Der Spielstand war bislang verdient, weil sich die DEB-Auswahl geschickt zurückkämpfte in die Partie.
Gawanke: „Die Führung ist für die Moral sehr wichtig. Endlich sind die Dinger mal reingegangen, darauf können wir aufbauen. Wir müssen solide stehen und auf unsere Konter warten.“
Fragwürdiger Ausgleich der USA
Wie würde die deutsche Mannschaft nun agieren mit der Führung? Die USA würden bestimmt zügig mehr in die Offensive investieren, was wiederum Räume für das deutsche Team öffnen sollte. Die Protagonisten von Headcoach Harry Kreis hielten ihren Game Plan stringent ein und hielten die USA weitgehend in Schach. Der Zug zum Tor war weiterhin gegeben und man suchte immer den freien Mann auf strukturierte Weise.
Deutschland war auf einem guten Weg, doch in der 55. Spielminute erarbeiteten sich die US-Boys wieder in einem Getümmel vor Keeper Grubauer den Ausgleich durch Thomas Novak, der aber sehr fragwürdig zustande kam, weil es nach einer klaren Torhüterbehinderung aussah. Es gab jedoch keine Challenge von der deutschen Bank. Was war noch drin für Team Deutschland, die unbedingt einen Dreier holen mussten. Die letzten drei Minuten brachen an. Es sah verdächtig nach Verlängerung aus, obwohl man als Zuschauer immer das Gefühl hatte, es könnte was passieren.
Es war schon mal ein Teilerfolg diese Punkteteilung, aber noch wichtiger war der Zusatzpunkt, der am Ende vielleicht entscheidend sein könnte in der engen Gruppe A. Es war an Dramatik nicht zu überbieten, denn auch Michaelis scheiterte am inzwischen coolen Cooley, der mit dem heimischen Maskottchen keine Ähnlichkeit hatte. Das Penalty Schießen musste die Entscheidung bringen: Josh Samanski traf als erster, Grubauer hielt bravourös, Howard traf, und mit dem letzten Penalty durch Ryan Leonard sicherte sich die USA den Sieg.
Grubauer: „Es war ein tolles Spiel von uns, wir haben alles richtig gemacht, leider verloren. Das Tor hätte nicht zählen dürfen. Ich war mit der Hand zwei Mal drauf und er stichelte einfach nach. Wir durften nicht challengen. Wir müssen weiter Gas geben und nicht nachlassen.“
Michaelis: „Deutliche Leistungssteigerung von uns. Wir trafen viele richtige Entscheidungen auf dem Eis. Es fühlt sich nicht richtig an mit dem Ausgleich. Die Mannschaft glaubt an sich, die Moral stimmt.“
Kreis: „Jede Aktion zählt, ist wichtig. Die Mannschaft hat gekämpft und zusammengehalten. Einsatz ist gute Voraussetzung für die nächsten Spiele. Es ist keine übliche Challenge, ich habe mich gewundert, dass nicht abgepfiffen wurde. Wir waren nahe dran, es ist immer Glück dabei.“
WM 20.05.2026
USA – Deutschland 4:3 n.P. (1:1|1:2|1:0|0:0|1:0)
Tore:
0:1 |01.| Moritz Seider (Samanski, Tiffels)
1:1 |15.| Isaac Howard (Steeves)
2:1 |26.| Max Sasson (Ufko, Steeves)
2:2 |30.| Freddy Tiffels (Reichel, Gawanke)
2:3 |38.| Marc Michaelis (Ehl)
3:3 |55.| Thomas Novak (Charlie)
4:3 |65.| Ryan Leonard PEN
Haupt-Schiedsrichter: Ondracek (CZE) / Burzminski (CAN)
Zuschauer: 9.731
Bericht von: Hermann Graßl | Foto: City-Press GmbH
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