
Schiedsrichter besuchen DEB-Lehrgang in Füssen – Teil 1
Das neu formierte DEB-Schiedsrichter-Gremium hat seine 202 aktiven Schiedsrichter (Stand 20. Juli 2026) Ende Juli (DEB) und Anfang August (DEL2/DEL) zu dem jährlichen Lizenzlehrgang nach Füssen eingeladen. Unter den 202 Schiedsrichtern waren 174 DEB-Schiedsrichter, 28 DEB-SR-Neulinge. Es haben acht Schiedsrichter ihre Karriere beendet und sieben Schiedsrichter legen eine Pause ein. Der neue Director Officiating (ext.) des Gremiums, Stefan Velkoski, möchte das Schiedsrichterwesen weiter professionalisieren und die Zusammenarbeit mit den Teams wieder auf ein respektvolleres Miteinander einnorden.
Mit ihm im Gremium sitzen: Lars Brüggemann (DEL), Gordan Schukies (DEL HSR und DEL2), Andreas Kowert (DEL LP und DEL2 LP) Manuela Gröger-Schneider (Referee-in-Chief), Stephan Bauer (OL Süd) und Mischa Apel (OL Nord). Die Schiedsrichter des DEB müssen während des Lizenzlehrgangs nicht nur Tests absolvieren, sondern bekommen auch die neuen IIHF-Regeln vorgestellt und es sollen einheitliche Standards bei der Bewertung von Fouls nähergebracht werden.
Die Schiedsrichter werden nach ihrem Leistungsstand den Lehrgängen DEB1, DEB2, DEL2 und DEL zugeteilt und zu den jeweiligen Terminen eingeladen. Vom 23. bis 27. Juli waren die Schiedsrichter der Lehrgänge DEB 1 und DEB 2 vor Ort. Sie werden in der Saison 2026/2027 überwiegend in der Oberliga, sowie in den Nachwuchsligen DNL U20 und U17, zum Einsatz kommen. Es waren auch einige Neulinge zugegen, die von den Landesverbänden für eine Lizenzierung beim DEB vorgeschlagen wurden. Die Gruppen von ca. 50 Unparteiischen sind 2 Tage vor Ort und haben in dieser Zeit 7 verschiedene Unterrichtseinheiten, einen Kameradschaftsabend und 2-mal Eiszeit.
Die Unterrichtseinheiten sind Psychologie, einheitliche Standards bei Stockschlag, Haken und Kniecheck, neue Regeln IIHF, Durchführung Videobeweis, IIHF-Regelbuch 2026, gefährliche Checks an der Bande, Checks gegen Kopf- und Nackenbereich, Spielbetrieb/Spielgericht/Spielnotiz/Matchstrafe und die getrennten Schulungen für Linesperson und Hauptschiedsrichter (Kommunikation).
Im Bereich Psychologie (Unterrichtseinheit 1) hat man sich in diesem Jahr auf das Themengebiet Fokus und Konzentration spezialisiert. Lisa Grupen, von der Sportpsychologie München, hat den Unparteiischen dabei aufgezeigt, wie man in den Fokus zurückfindet und wann die Konzentration am besten aufgestellt ist. Mit der „Monkey Business Illusion“, dem „Capacity Model of Attention“, der Scheinwerfer-Metapher, dem WIN-Prinzip (What’s important now) und dem Performance-Cocktail wurden unterschiedliche Übungen aufgezeigt. Zudem zeigte sie, wie der Flow sich auswirken kann, und dass Rituale und Routinen zu einem erhöhten Fokus beitragen können.
Unterrichtseinheit 2 befasste sich mit den einheitlichen Standards in Bezug auf Stockschlag, Haken und Kniecheck. Diese Einheit wurde von Mischa Apel und Stephan Bauer geleitet. Diese haben nicht nur den Regeltext vorgelesen und von den anwesenden Schiedsrichtern zusammenfassen lassen, sondern auch durch Videos aufgezeigt, wie unterschiedlich die Fouls sein können, aber trotzdem eine und dieselbe strafbare Handlung zeigen. Ein Stockschlag ist immer regelwidrig, auch wenn der Schlag „around the hands“ erfolgt. Dabei ist es nicht ausschlaggebend, ob es ein heftiger Schlag war oder ob dieser mit beiden Händen oder einhändig ausgeführt wurde. Der Spieler, der einen Stockschlag ausführt, geht das Risiko einer Bestrafung ein und das bedeutet, je nach Schwere können die Unparteiischen eine 2-Minuten-Strafe, eine 5-Minuten-Strafe + Spieldauer oder sogar eine Matchstrafe (im DEB-Bereich) aussprechen. Damit wird auch gezeigt, dass es beim Stockschlag nur noch einen Spielraum bei der Höhe der Bestrafung gibt und nicht mehr, ob man dieses Foul bestraft. Neben dem Stockschlag sollen auch das Haken und die Kniechecks konsequenter bestraft werden.
Denn die Schiedsrichter sollen das Opfer schützen und nicht die Täter. Es soll mehr Gelegenheiten geben, Tore zu schießen, und dafür sollen Fouls einheitlicher bestraft werden.
Die Unterrichtseinheit 3 wurde je nach Lehrgang an die jeweilige Liga angepasst.
Zu den Lehrgängen im Juli, war Max Gumplinger als Referent zu Gast und hat Einblicke in den DEB-Spielbetrieb gegeben.
Zu dem Lehrgang DEL2 vom 6. bis 8. August war Renè Rudorisch am 06.08. vor Ort und hat einen Vortrag zu dem DEL2-Spielbetrieb gehalten.
Beim Lehrgang der DEL vom 8. bis 10. August stand der DEL-Spielbetrieb im Fokus.
Im weiteren Verlauf der Einheit wurde auf die Regeländerungen des IIHF-Regelbuchs eingegangen. Für den DEL-Lehrgang war Rob Shick, Consultant Hockey Operations, mit vor Ort. Er ging zusammen mit Lars Brüggemann und Nikolas Neutzer auf die wichtigsten Änderungen zur neuen Saison ein. Zum Beispiel wird der Schiedsrichter zur neuen Saison nur noch das Tor anzeigen – es wird kein Pfiff erfolgen. Damit passt man sich dem internationalen Standard an. Die Regeln zur unkorrekten Ausrüstung wurden zusammengefasst und vereinheitlicht. Das Strafmaß geht über eine Verwahrung beim ersten Vergehen, bis hin zu einer Spieldauer im Wiederholungsfall. In der DEL und DEL2 gibt es noch den Zusatz, dass das Nichttragen des Halsschutzes direkt mit einer 10-Minuten-Disziplinarstrafe bestraft wird. Bei den Unparteiischen der DEL stand ansonsten das Auffrischen des Wissens im Vordergrund und das Aufzeigen, dass eine gute Arbeit an den Linien, für gute Sichtlinien sorgt und damit regelkonforme Entscheidungen getroffen werden können.
Unterrichtseinheit 4 hat sich mit der Ausführung und Handhabung des Videobeweises befasst. Gordan Schuckies und Andreas Kowert zeigten auf, welche Situationen mit einem Videobeweis gecheckt werden dürfen. Außerdem wurde die Pre-Game-Routine durchgesprochen, damit ein reibungsloser Ablauf eines Videobeweises erfolgen kann. Sollten die Schiedsrichter die Off-Ice-Person nicht beim Check dabei haben möchten, dürfen sie die Off-Ice-Person freundlich um das Verlassen des Raumes bitten. Gerade die Hauptschiedsrichter haben auch die Gegebenheiten angesprochen, die an den Standorten vorherrschen müssen, und wie damit umgegangen werden soll, wenn diese nicht dem Standard entsprechen. In der DEL hat das Team Stripes ein Kommunikationsset, worüber sie auch während des Spiels kommunizieren können, ohne dass sie dafür zusammenkommen müssen. Die Gruppe rund um André Schrader erhielt auch viel Input, welche Erfahrungen er gemacht hat, und versuchte, die jungen Hauptschiedsrichter anzuhalten, mutig zu sein und den Videobeweis zu nutzen, wenn sie sich bei einer Szene nicht ganz sicher sind. Die Philosophie des Videobeweises sollte sein, seine Entscheidung auf dem Eis zu bestätigen. Nur wenn die Bilder die Situation eindeutig widerlegen, dann soll eine Änderung der Entscheidung erfolgen. Gerade bei großen Strafen, sollte bei nicht 100% sicherer Überzeugung, der Videobeweis einmal mehr genutzt werden.
Bericht von: EK DEB Schiedsrichterwesen | Foto: Ellen Köhler
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