
Schiedsrichter besuchen DEB-Lehrgang in Füssen – Teil 2
Das Gremium möchte natürlich auch Nachweise, wie fit die Schiedsrichter für die anstehende Saison sind. Neben den Fitnesstests gibt es daher auch 2 Regeltests. Der Test, der zu Hause absolviert wurde, umfasst 30 Fragen und die Schiedsrichter haben insgesamt 30 Minuten Zeit, diesen zu absolvieren. Man kann den Test nicht pausieren oder zwischenspeichern, auch ein Zurückspringen auf eine bereits beantwortete Frage ist nicht möglich. Um diesen Test zu bestehen, müssen 90 % der Fragen korrekt beantwortet werden.
Hier drei Fragen, die auch von den Unparteiischen zu beantworten sind (Lösung in Teil 3)
Frage 1: Welche der folgenden Behauptungen ist regelkonform? (Mehrfachantwort)
– A: Es ist erlaubt, dem TH den verlorenen, intakten TH-Stock entlang des Eises zuzuschieben/zuzuschießen, solange das laufende Spiel nicht beeinflusst wird.
– B: Versorgt ein Mitspieler den TH mit dessen TH-Stock, ist es zulässig, dass sich dieser Mitspieler am laufenden Spiel beteiligen kann, vorausgesetzt, er lässt zuvor den TH-Stock fallen.
– C: Selbst wenn das laufende Spiel nicht beeinflusst wird, ist es nicht zulässig, einen intakten Spielerstock einem Mitspieler entlang des Eises zuzuschieben/zuzuschießen.
– D: Verliert der TH seinen Stock, darf ihm ein Mitspieler seinen Spielerstock übergeben, mit welchem der TH die Verteidigung seines Tores fortsetzt.
Frage 2: Wenn im Zuge einer Auswechslung entweder der Spieler, der das Eis verlässt, den Puck mit dem Stock, den Schlittschuhen oder den Händen spielt oder einen gegnerischen Spieler checkt oder Körperkontakt mit ihm herstellt, während sich entweder der Spieler, der das Spielfeld betritt, oder der auswechselnde Spieler noch auf dem Eis befindet, wird die Strafe wegen „zu vieler Spieler auf dem Eis“ ausgesprochen.
Richtig?
– A: Ja
– B: Nein
Frage 3: Der Linienrichter zeigt ein angezeigtes Abseits an, weil sich noch ein angreifender Spieler in der Angriffszone befindet, als der Puck in die Angriffszone gespielt wird. Der Puck gleitet in Richtung gegnerisches Tor und rutscht unglücklich unter den Schonern in das Tor.
Der Schiedsrichter entscheidet auf Tor, da das angezeigte Abseits bereits aufgehoben war.
Richtig?
– A: Ja
– B: Nein
Der Test in Füssen beinhaltet 50 Frage und pro Frage hat man 18 Sekunden Zeit für die Antwort, also max. 15 Minuten. Um diesen Test zu bestehen, benötigen die Schiedsrichter mindestens 43 richtige Antworten.
Alle Testergebnisse werden ausgewertet und sind Bestandteil des Lizenzierungsverfahrens.
Mischa Apel und Stefan Velkoski waren die Referenten in der Unterrichtseinheit 5, wo sich alles um die gefährlichen Checks gedreht hat. Dabei standen die Banden-Checks im Fokus. Wie gefährlich ein Banden-Check werden kann, ist von mehreren Faktoren abhängig, daher gibt es in diesem Bereich auch verschiedene Höhen der Strafen. Die Höhe der Strafen richtet sich nach 4 Faktoren: Wie hoch ist die Geschwindigkeit, wie ist der Abstand zur Bande, wie ist der Winkel zur Bande und wie ist das Timing. Klar ist, dass jeder Spieler, der solch einen Check ausführt, nicht immer die Folgen abschätzen kann und daher ein besonderes Augenmerk auf diese Checks gelegt wird. Die Unterrichtseinheit wurde mit Videomaterial und einer regen Diskussion mit Leben erfüllt. Dabei war zu sehen, dass man manchmal die Szenen gleich auslegt und es bei der Beurteilung der Strafhöhe eine einheitliche Meinung unter den Schiedsrichtern gab. Aber auch manchmal eine unterschiedliche Wahrnehmung vorhanden war und somit verschiedene Strafen ausgesprochen wurden.
Während des DEL2-Lehrgangs gab es einen halbstündigen Rückblick auf die vergangene Saison. Gordon Schukies und Andreas Kowert haben ihre Posten vor der Saison 25/26 übernommen und wollten gerne ein ehrliches Feedback zu ihrer Arbeit und was man verbessern könnte. Sie gaben auch einen Ausblick, was sie von den Unparteiischen zukünftig erwarten, um eine gute Zusammenarbeit zu gewährleisten, und welche Verbesserungen sie selbst gerne vornehmen würden. Das Feedback sollte immer ehrlich, offen, konstruktiv und in beide Richtungen sein. Während der Saison wird es regelmäßige Online-Meetings geben, in denen Trends und kritische Entscheidungen besprochen werden. Wie letztes Jahr schon begonnen, möchten sie gerne die Zusammenarbeit zwischen DEL-Schiedsrichtern und DEL2 Schiedsrichtern fortführen, um somit On-Ice zu coachen. Denn wenn die DEL-Schiedsrichter zusammen mit DEL2-Schiedsrichtern ein Spiel leiten, können die Erfahrungen besser vermittelt werden. Man erhofft sich dadurch Synergien, um das Schiedsrichterwesen besser zu machen.
„Die Entwicklung eines Schiedsrichters endet nicht nach dem Sommerlehrgang – sie entsteht die ganze Saison über. Mit jeder Szene. Mit jedem Spiel. Und vor Allem – Miteinander.“
In der Unterrichtseinheit 6 wurden die Schiedsrichter auf Linespersons und Hauptschiedsrichter aufgeteilt.
Bei den Hauptschiedsrichtern stand die Kommunikation mit den Clubs/Vereinen und dem On/Off-Ice-Personal im Fokus. Durch das Auftreten, die Mimik und den Umgang einiger weniger Schiedsrichter, kam es zum Unmut zwischen einigen Clubs und dem Schiedsrichterwesen. Daher vermittelte Stephan Bauer den HSRs noch einmal, wie wichtig ein respektvoller Umgang untereinander, aber auch mit den Clubs und den Spielern auf dem Eis ist. Es wurde aufgezeigt, was das Gremium unter Do’s und unter No-Do-s versteht und dass Zuwiderhandlungen auch Konsequenzen haben werden.
Bei Linespersons wurde unter anderem auf die veränderte Faceoff-Regelung der IIHF eingegangen. Diese besagt, dass das komplette Blade des Schlägers auf dem Eis aufliegen muss, ehe der Puck eingeworfen werden darf. Zudem wird der Center der fehlbaren Mannschaft ab dieser Saison nicht mehr verwarnt, sondern sofort gegen einen anderen Spieler auf dem Eis ausgetauscht (Ausnahme Icing – dort bleibt es bei der Verwarnung). Zudem gibt es klare Aussagen, wie die Center zu stehen haben, und das ein Face-off wiederholt wird, wenn der Bullygewinn durch ein Handspiel, einen Schlittschuhkick oder auf den Knien gewonnen wird. Auch im Bereich Abseits und Icing gibt es ein paar kleine Änderungen. Beim Abseits kommt „Control and Possession“ zur Anwendung. Nur wenn der Spieler beim Puckbesitz auch Kontrolle über den Puck hat, wenn er über die blaue Linie geht, ist es kein Abseits. Kontrolle hat der Spieler nur, wenn der Puck am Schläger geführt wird. Kontrolle ist Besitz, aber Besitz ist nicht gleich Kontrolle. Beim Icing muss die Linesperson zukünftig nach dem Pfiff den Arm heben, um ein vollendetes Icing anzuzeigen. Auch wenn bisher nicht klar ist, ob diese Regelung in den deutschen Ligen zur Anwendung kommt, nutzte man den Lehrgang, um darauf hinzuweisen.
Bericht von: EK DEB Schiedsrichterwesen | Foto: Ellen Köhler
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