DEB zaubert André Rankel als neuen Headcoach aus dem Hut

29.August 2026DEB, Nationalmannschaft

Wann hatte es so etwas schon mal in Deutschland gegeben? Binnen zwei Wochen wurden sowohl beim Fußball als auch beim Eishockey neue Bundestrainer nominiert. Damit wurden definitiv Ausrufezeichen in diesen beiden Sportarten gesetzt.

Während man bei der Wahl von Jürgen Klopp im Fußball u.a. vom neuen „Messias“ sprach, handelte es sich bei der Rekrutierung von André Rankel wohl mehr um ein Überraschungspaket, das der Deutsche Eishockey Bund schnürte. Nach der Entlassung des am Ende erfolglosen Harold Kreis im Mai bestand dringender Handlungsbedarf gerade auch im Hinblick auf die bevorstehende Heim WM im nächsten Jahr als sportliches Aushängeschild.

Es stellte sich im Vorfeld die berechtigte Frage, wie das Stellenprofil des neuen Dompteurs hinter der Bande lauten müsse, um die Nationalmannschaft nach der Durststrecke der letzten Jahre wieder in die Erfolgsspur zurückzuführen. Hatte man bei der Entscheidungsfindung etwa berücksichtigt, dass mit dem 41-jährigen André Rankel die über viele Jahre bewährte Eisbären DNA, die unbändige Siegermentalität, in seiner Person gesucht wurde?

Rankels Karriere zentrierte sich ausschließlich auf die Bundeshauptstadt, wo er 17 Jahre lang tätig war. Seine Vita weist stattliche sieben DEL-Meistertitel auf, daneben gewann er den deutschen Eishockeypokal 2008 und er sicherte sich die European Trophy 2010. 2011 avancierte er zum wertvollsten Spieler der DEL-Playoffs (MVP). André Rankel verbuchte bemerkenswerte rekordverdächtige 247 Tore in seiner Berliner Laufbahn. Eine besondere Wertschätzung wurde Rankel vom Meistermacher Don Jackson zuteil, der ihm NHL-Format bescheinigte. André Rankel hielt außerdem acht Jahre lang das Kapitänsamt inne und seine Trikotnummer wird bei den Eisbären nicht mehr vergeben.

Auf internationalem Parkett nahm Rankel erstmals bei der U18-WM 2003 teil. Für die Juniorennationalmannschaft schnürte er ebenfalls regelmäßig seine Schlittschuhe, u.a. bei der WM 2004 und 2005: 2004 schaffte er den Wiederaufstieg in die A-Gruppe. Ab dem Jahr 2006 zählte André Rankel zum erweiterten Kader der A-Nationalmannschaft, wo er 2007 sein Debut gab. 2010 bekam er auch die Nominierung für das olympische Turnier in Vancouver. Eine langwierige Schulterverletzung führte schließlich zu seinem Karriereende. Seit dem Frühjahr 2023 agierte Rankel als Assistenztrainer neben Serge Aubin hinter der Bande.

Seine 130 Einsätze im Nationaltrikot mit insgesamt sieben WM-Teilnahmen (2007 – 2009, 2010 – 2012, 2013) sprechen Bände und qualifizieren Rankel als einen erfahrenen Akteur auf dem Eis, der nun seine Expertise als Bundestrainer weitergeben möchte. Seit dem 27. August 2026 bekleidet André Rankel nun diese herausfordernde Position.

Wir wünschen André Rankel ein glückliches Händchen bei der Vorbereitung auf die Heim Weltmeisterschaft 2027 in Mannheim und Düsseldorf. In diesem Kontext gilt es auch, die Verbandsstrukturen zu optimieren, die Entwicklung des Nachwuchses zu optimieren und zu fördern und den Protagonisten die Spielfreude und Willensstärke zu vermitteln, die nötig sind, um am Ende des Tages den Gastgeber dieses richtungsweisenden Turniers bestmöglich zu repräsentieren.

Ein erster Härtetest findet ohnehin mit dem Deutschland-Cup 2026 statt, der sinnigerweise sogar in Düsseldorf sein neues Zelt aufschlägt. Bei diesem Traditionswettbewerb hat André Rankel die Möglichkeit, die Weichen neu zu stellen und einen schlagkräftigen Kader zusammenzustellen, der hungrig für mehr ist. Sicherlich ruft eine Heim WM tolle Memories an 2010 (Halbfinale) und 2017 (Viertelfinale) hervor.

Wer erinnert sich nicht gern an das epische Match gegen die Schweiz in Mannheim oder an das legendäre Spiel gegen Rekordsieger Kanada in der Lanxess Arena? Solche leidenschaftlichen Duelle gegen Top Teams der Welt sind das Salz in der Suppe und werden von den Fans so sehr wieder herbeigesehnt.

Vielleicht schafft es der neue Bundestrainer André Rankel, eine weitere Erfolgsstory schreiben und die Geschichtsbücher mit einem neuen Märchenkapitel zu füllen.

Anmerkung der Redaktion: in diesem Artikel fließt auch die persönliche Meinung des Autors mit ein.

Bericht von: Hermann Graßl | Foto: City-press

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